Arbeitsschutzverordnung
zu künstlicher optischer Strahlung

Künstliche optische Strahlung tritt an vielen Arbeitsplätzen auf und wird in verschiedene Bereiche geteilt. Nicht alle Strahlungsarten sind gesundheitsgefährdend.

Arbeitsschutzverordnung zu künstlicher optischer Strahlung

Wurde die vorhandene Strahlung als Gefährdung erkannt und in bestimmte Wellenbereiche eingeteilt (sichtbare Strahlung, sichtbare Laserstrahlung, ultraviolette Strahlung, Infrarotstrahlung), muss der Arbeitgeber seinen Informations- und Schutzpflichten gegenüber den Angestellten nachkommen.

Wo gibt es künstliche optische Strahlung?

Künstliche optische Strahlung tritt an fast jedem Arbeitsplatz auf. Die Intensität der Strahlung ist verschieden – in den meisten Fällen stammt sie von Strahlungsquellen, die keine Gesundheitsgefahr bedeuten.

Künstliches Licht, der Bildschirm des Rechners oder die Anzeigen an Geräten sind Formen künstlicher optischer Strahlung. Diese bedeuten jedoch keine Gefahr. Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung des jeweiligen Arbeitsplatzes wird festgehalten, dass es hier keinerlei Gefahr gibt.

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Anders liegt die Sache, wenn die Beschäftigten starken Strahlungsintensitäten ausgesetzt sind und mit bestimmten Technologien arbeiten (im Rahmen der Werkstoffprüfung oder beim Lichtbogenschweißen, auch im Druckgewerbe oder bei medizinisch-therapeutischen Anwendungen). Hier liegt eine Gefährdung der Gesundheit vor.

Künstliche optische Strahlung: Was gehört dazu?

Arbeitgeber sind verpflichtet, die Arbeitnehmer vor künstlicher optischer Strahlung zu schützen. Dafür muss bekannt sein, wo die Gefahrenquellen liegen und ob diese der künstlichen optischen Strahlung zuzurechnen sind.

Arbeitsschutzverordnung zu künstlicher optischer Strahlung Laser

Die OStrV sieht folgende Einteilungen vor:

  • Ultraviolette Strahlung (100 bis 400 nm)
  • Sichtbare Strahlung (380 bis 780 nm)
  • Infrarotstrahlung (780 nm bis 1 mm)
  • Sichtbare Laserstrahlung (400 bis 700 nm)

Per Definition ist jede elektromagnetische Strahlung von 100 nm bis 1 mm als optische Strahlung zu bezeichnen. Sichtbare Strahlung ist ein Unterbereich der optischen Strahlung. Als künstliche optische Strahlung im Sinne der Verordnung gilt jede optische Strahlung, die eine künstliche Licht- oder Strahlungsquelle erzeugt.

Gefährdungsermittlungen im Arbeitsschutz

Laut § 5 des Arbeitsschutzgesetzes müssen die Arbeitsbedingungen im Unternehmen beurteilt werden. Der Arbeitgeber muss seiner Beurteilungspflicht vor Aufnahme der Tätigkeit durch den Angestellten nachkommen. Er stellt fest, ob die Beschäftigten einer Strahlung ausgesetzt sind.

Ist das der Fall, muss eine Gefährdungsbeurteilung dokumentiert werden. Dazu wird festgestellt, ob die geltenden Expositionswerte, die für Europa einheitlich in der EU-Richtlinie 2006/25/EG Anhang I und II geregelt sind, eingehalten werden.

Die Angaben der Hersteller zu einzelnen Arbeitsmitteln können hinzugezogen werden, auch weitere Informationsquellen sind für die Beurteilung des Gefährdungsmaßes erlaubt.

Arbeitsschutzverordnung zu künstlicher optischer Strahlung Arbeitgeber Informationspflichten

Lässt sich daraus keine ausreichende Aussage über das Ausmaß der Exposition treffen, muss der Arbeitgeber entsprechende Messungen und Berechnungen vornehmen. Eine Stichprobenmessung ist eine Möglichkeit, auch die Messergebnisse anderer Betriebsstätten können als Referenz herangezogen werden.

Wichtig: Die Beurteilung dürfen nur fachkundige Leute vornehmen. Das heißt, der Beurteilende soll aufgrund von Ausbildung oder praktischer Erfahrungen in der Lage sein, die Gefährdungen durch künstliche optische Strahlung einzuschätzen.

Information der Beschäftigten zur Gefährdung

Die „Verordnung zum Schutz der Beschäftigten vor Gefährdungen durch künstliche optische Strahlung (Arbeitsschutzverordnung OStrV)“ sieht vor, dass die Beschäftigten eines Unternehmens über das Vorliegen einer Gefährdung durch künstliche optische Strahlung zu informieren sind.

Derartige Informationen müssen regelmäßig herausgegeben werden, wobei die ersten Mitteilungen vor Aufnahme der Tätigkeit an neue Mitarbeiter gehen sollen. Außerdem sieht § 8 OStrV vor, dass bei einer erheblichen Änderung der Gefährdungssituation eine Information an die Beschäftigten zu gehen hat.

Arbeitsschutzverordnung zu künstlicher optischer Strahlung Achtung Vorsicht

Der Arbeitgeber ist zu folgenden Punkten aussagepflichtig:

  • Gefährdungen, die durch die Tätigkeit entstehen
  • Grenzwerte und ihre Bedeutung
  • Ergebnisse der Messungen und Expositionsberechnungen, Erläuterungen dazu
  • Beschreibung sicherer Arbeitsverfahren und Möglichkeiten zur Gefährdungsminimierung
  • Maßnahmen zur Beseitigung der Gefährdung
  • Anwendung von Schutzausrüstungen
  • Beratungsmöglichkeiten durch den Arbeitsmedizinischen Dienst

Nicht nur der Arbeitgeber selbst, sondern auch der Ausschuss für Betriebssicherheit kann eine Anlaufstelle für Informationen sein. Teilweise wird der Betriebsarzt hinzugezogen und trifft Aussagen zu möglichen Gefährdungen und Folgen der Tätigkeit.

Generell muss der Arbeitgeber sicherstellen, dass die Beschäftigten eine Unterweisung erhalten, die auf den Ergebnissen der detailliert vorgenommenen Gefährdungsbeurteilung beruht und die aussagekräftig genug ist.

Nicht nur bei Änderungen ist der Arbeitnehmer zu informieren, die OStrV sieht eine mindestens jährliche Aktualisierung der Informationen vor.

Wichtig: Die Unterweisung der Arbeitnehmer muss in einer Form und Sprache erfolgen, die diese verstehen. Es hilft nichts, Angestellten Zahlen und Verfahren „um die Ohren zu schlagen“ und der Meinung zu sein, der Informationspflicht wäre nachgekommen.

Nach einer solchen Unterweisung sind die Betroffenen genauso schlau wie vorher – und können im Schadensfall die mangelnde Informationsweitergabe in einer Klage berücksichtigen. Arbeitgeber tun gut daran, die Belehrung und Information für Laien verständlich zu machen.

Gibt es Ausnahmen von der Informationspflicht?

Die OStrV sieht in § 10 Abs. 1 Ausnahmen vor, die für manche Arbeitgeber relevant sind. Es ist möglich, dass der Arbeitgeber bei der zuständigen Behörde einen schriftlichen Antrag einreicht und hier darum bittet, eine Ausnahme von § 7 zuzulassen (Maßnahmen zur Vermeidung und Verringerung von Gefährdungen).

Arbeitsschutzverordnung zu künstlicher optischer Strahlung Ausnahmen

Das gilt, wenn die Durchführung des Paragrafen eine unverhältnismäßige Härte bedeuten würde und wenn die Beschäftigten ohne zusätzliche Maßnahmen geschützt sind. Ausnahmen können mit einer Nebenbestimmung einhergehen, die sicherstellen, dass die Beschäftigten so gut wie möglich geschützt sind bzw. dass Gefährdungen auf das Minimum reduziert sind.

Ausnahmeregelungen werden spätestens alle vier Jahre überprüft und können aufgehoben werden, wenn sich die Umstände geändert haben, die zu dieser Ausnahme geführt haben. Sind die Gründe dafür nicht mehr gegeben, gibt es keine Ausnahme mehr.

Stellt der Arbeitgeber den Antrag auf Ausnahmeregelung, müssen in diesem die folgenden Punkte enthalten sein:

  • Dokumentation und Gefährdungsbeurteilung
  • Darstellung der Exposition in Art, Umfang und Dauer
  • Nennung des Wellenlängebereichs der künstlichen optischen Strahlung
  • Stand der Technik
  • Arbeitsverfahren
  • Technische und organisatorische Schutzmaßnahmen
  • Lösungsvorschläge zur Reduzierung der Exposition
  • Zeitplan für die Reduzierung der Gefährdung

Der Antrag muss schriftlich bei der zuständigen Behörde eingehen. Er kann elektronisch übermittelt werden.

Gibt es Strafen bei Nichteinhaltung?

Da Arbeitnehmer das höchste Gut eines Unternehmens sind, sollten diese allein aus Eigennutz hinreichend informiert und geschützt werden. Für alle die Arbeitgeber, die sich daran nicht halten, gibt es Bußgelder und Strafen bei Nichteinhaltung.

Arbeitsschutzverordnung zu künstlicher optischer Strahlung Strafe Rote Karte

Daher sieht § 11 OStrV vor, dass ordnungswidrig handelt, wer eine Gefährdungsbeurteilung nicht oder nicht vollständig vorgenommen hat bzw. wer dieser Pflicht nicht rechtzeitig nachgekommen ist.

Auch Arbeitgeber, die Messungen nicht korrekt durchführen, auf veraltete Technik setzen oder keine fachkundige Person damit beauftragen, handeln rechtswidrig. Muss im Unternehmen ein Laserschutzbeauftragter bestellt werden und wird dies nicht schriftlich vorgenommen, handelt es sich um eine Ordnungswidrigkeit.

Des Weiteren werden das fehlende Abgrenzen eines gefährdeten Arbeitsbereichs oder das fehlende oder nicht rechtzeitige Durchführen von Maßnahmen zum Schutz der Arbeitnehmer als ordnungswidrig eingestuft.

Hinweise für Arbeitgeber

Am Ende zählt das, was schriftlich vorliegt. Für den Arbeitgeber bedeutet das, dass er Unterweisungen und Besprechungen schriftlich protokollieren sollte. So können Inhalte und Verantwortlichkeiten nachverfolgt und nachgewiesen werden.

Die Arbeitsschutzunterweisung kann im Rahmen einer allgemeinen Mitarbeiterbesprechung durchgeführt werden, dann sollte zwingend ein Protokoll vorliegen. Arbeitgeber erhalten damit mehr Rechtssicherheit und eine Übersicht über Aufgaben, die erledigt sind und solche, die noch als offen geführt werden.

Arbeitsschutzverordnung zu künstlicher optischer Strahlung Achtung Warnung Arbeitgeber

Wichtig ist, dass das Protokoll so detailliert wie möglich formuliert wird. Das heißt, dass hier beispielsweise das Thema „Gefährdungen durch künstliche optische Strahlung“ aufgelistet ist und die angesprochenen Unterpunkte Erwähnung finden.

Jede Tätigkeit, die mit einer Gefährdung verbunden ist, wird hier aufgelistet. Die durchgeführten Maßnahmen, die geplanten Vorhaben und derzeitige Expositionswerte werden in das Protokoll mit aufgenommen.

Im Grunde müssen hier alle Punkte stehen, die zur Informationspflicht des Arbeitgebers hinsichtlich einer Gefährdung durch künstliche optische Strahlung zählen und in der OStrV aufgelistet ist. Dazu kommen die Hinweise zur persönlichen Schutzausrüstung und, ob diese Ausrüstung durch den Arbeitnehmer ergänzt werden kann.

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