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Geschichte der Firma Shell am Standort Wesseling
Der Shell-Konzern: Ein Tanker, der nicht untergeht

Die Geschichte von „Royal Dutch Shell“ – kurz Shell genannt - ist eine Erfolgsstory, die aber auch von herben Rückschlägen zu erzählen weiß. Ebenso ist sie ein Spiegelbild zeitgeschichtlicher Entwicklungen. So gibt sie Einblick in das Fortschreiten der Industrialisierung während des 19. Jahrhunderts, zeigt die Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs und reicht bis in die Gegenwart der zunehmenden Globalisierung und Technisierung.

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Shell Wesseling

Shell

Stadt Wesseling 1970 | Teil 1

Mit einem Gesamtumsatz von 265 Milliarden US-Dollar im Jahr 2015, weltweit rund 100.000 Beschäftigten und Aktivitäten in über 140 Ländern steht Shell aktuell auf Platz fünf der internationalen Global-Player-Liste. Auf seinem Weg nach oben hatte das Unternehmen viele Herausforderungen zu meistern. Drastisch fallende Ölpreise schmälerten die Gewinne, Werkspannen bedeuteten Produktionsausfall und führten teilweise zu heftiger negativer Kritik in der Öffentlichkeit.

Einen kompletten Neuanfang musste Shell nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland meistern. Damals stand das Unternehmen vor den Trümmern seiner durch Bomben zerstörten Raffinerien, die als Treibstofflieferanten für Panzer und Flieger ihr eigenes Grab mitgeschaufelt hatten.

Betroffen von den verheerenden Folgen der Kämpfe während des Nationalsozialismus war auch das Hydrierwerk in Köln-Wesseling, das zu jener Zeit die „Union Rheinische Braunkohlen Kraftstoff AG“ (kurz: UK oder Union Kraftstoff) betrieb. An diesem Standort befindet sich heute die größte Raffinerie Deutschlands, die in Händen der „Shell Oil Deutschland GmbH“ liegt.

Die komplexe Geschichte des anglo-niederländischen Gas- und Mineralölkonzerns Shell nahm ihren Anfang kurz vor dem Wirtschaftsboom Großbritanniens während des Viktorianischen Zeitalters (1837-1901):

Die Anfänge von Shell: Vom Muschelsammler zum Millionär

Der jüdisch-orthodoxe Antiquitätenhändler Marcus Samuel (1799 geb., 1872 in London gest.) war ein fleißiger und erfindungsreicher Mann gewesen. Weder Regen noch dichter Nebel über der Themse konnten ihn davon abhalten, an den Londoner Hafen zu gehen, wenn ein Schiff aus Übersee einlief.

Dort traf er sich mit heimkehrenden Matrosen, denen er Kuriositäten, Muscheln und andere Mitbringsel aus fernen Ländern abkaufte. Diese veräußerte Samuel wiederum in seinem Antiquitätengeschäft, das er 1833 mit seiner Ehefrau Abigail, geborene Moss, im Londoner Stadtviertel Eastend eröffnet hatte.

Eines Tages saß der Händler, der der Sohn niederländischer Einwanderer war, in seinem Laden und betrachtete grübelnd seine mittlerweile immens angewachsene Muschelsammlung. Plötzlich hatte er eine zündende Geschäftsidee. Dies war die Geburtsstunde der „knickknack boxes“, kleiner, dekorativ mit Muscheln beklebter Schachteln. Da sich diese besonders gut als Souvenir aus Küstenorten eigneten, trat Samuel unverzüglich in Kontakt zu Händlern aus Brighton, dem größten und bekanntesten Seebad in England. Nur kurze Zeit später avancierte Samuels Artikel dort zu einem Verkaufsschlager. Vor allen Dingen junge Touristinnen waren entzückt von den niedlichen Muschel-Schachteln, die sie an ihren Urlaub am Meer erinnerten und in denen sie ihre Ringe und Ketten aufbewahren konnten.

Samuels Geschäft begann zu florieren, weshalb er um 1860 beschloss, es auszuweiten. Dabei blieb er seiner Vorliebe für Exotisches und Ausgefallenes treu. Doch standen auf seiner Importliste nun teurere Einkaufswaren wie beispielsweise Straußenfedern und Gehstöcke, die er sich früher nicht hatte leisten können. Gleichzeitig expandierte sein Exportgeschäft. Da sich Samuel peu à peu als zuverlässiger Geschäftsmann einen guten Ruf in England erworben hatte, wuchs auch schnell die Zahl der Hersteller, die ihm den Vertrieb ihrer Produkte anvertrauten. Seine Aktivitäten reichten schließlich bis nach Japan, wohin er den ersten mechanischen Webstuhl des Landes lieferte.

Doch mit den Jahren schwanden die Kräfte des „Muschelsammlers am Tower von London“, wie Marcus Samuel bei einer Volkszählung im Jahr 1851 registriert wurde. Auf den Plan traten nun seine beiden Söhne, die die Geschäfte übernahmen.

Die Gründung von „Royal Dutch Shell“: Eine Muschel erobert den Ölmarkt

Shell Wesseling Plakat Arbeitssicherheit Einfahrt

Marcus Samuel Junior (1853-1927) war der Erstgeborene, der für die väterliche Firma viele Auslandsreisen antrat und innovative Ideen einbrachte. Sein jüngerer Bruder Samuel (1855-1934), den alle Sam nannten, engagierte sich neben dem Handel auch noch in der Politik und bekleidete alsbald das Amt eines Abgeordneten für die konservative Partei.

Zunächst fokussierten die beiden das Geschäft auf den Export von britischen Maschinen, Textilien und ähnlichen Artikeln nach Japan und in den Fernen Osten. Gleichzeitig importierten sie Waren wie Reis, Seide und Kupfer, die sie im Mittleren Osten und Europa verkauften. In London selbst handelten sie vor allen Dingen mit Zucker, Blumen und Weizen.

1878 kam der Transport von Kerosin hinzu, das damals vorwiegend zu Beleuchtungszwecken und als Schmierstoff zum Einsatz kam. Das Öl bezogen die Samuels aus dem am Kaspischen Meer gelegenen Baku, das damals zu Russland gehörte.

1890 begab sich Marcus Samuel auf eine Einkaufsreise, die ihn über Konstantinopel nach Batumi führte und die das bisherige Geschäft maßgeblich verändern sollte. Mit großen Augen bewunderte der damals 37-jährige Mann die großen Ölschiffe am Hafen, und er beschloss, eine eigene Flotte zu bauen. Diese bestand zunächst aus acht Tankern, die Marcus und Sam zu Ehren ihres mittlerweile verstorbenen Vaters nach verschiedenen Muschelarten benannten.

Nur zwei Jahre später feierten die Brüder einen erhebenden Moment, denn als erster Tanker der Geschichte passierte ihr 5.000-t-Schiff „Murex“ mit einer Ladung Öl an Bord den Suezkanal.

Mit der Erfindung des Verbrennungsmotors gegen Ende des 19. Jahrhunderts stieg die Nachfrage nach Kraftstoff schlagartig an, sodass die Einnahmen der Samuels nur so sprudelten und sie ihrem Unternehmen anfangs den Namen „The Tank Syndicate“ gaben. 1897 tauften sie es um in „Shell Transport und Trading Company“ und wählten als Firmenlogo eine Miesmuschel, aus der ab 1904 eine Kammmuschel wurde. Das heute weltweit bekannte Shell-Muschel-Emblem hat der Industriedesigner Raymond Loewy gestaltet, auf den auch die klassische Form der Coca-Cola-Flasche oder die stromlinienverkleidete S1-Dampflokomotive zurückgeht.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Vorherrschaft auf dem Ölmarkt heiß umkämpft und die Suche nach neuen Quellen fernab von Russland in vollem Gange. In Konkurrenz befanden sich vor allen Dingen drei Hauptakteure. Auf der einen Seite baute der amerikanische Geschäftsmann John D. Rockefeller mit seiner 1870 gegründeten „Standard Oil Company“ einen mächtigen Konzern auf. Auf der anderen Seite entwickelte sich die von Robert und Ludvig Nobel 1876 in Baku aus der Taufe gehobene Firma „Branobel“ zum größten Unternehmen des zaristischen Russlands. Dazwischen befand sich die Shell-Company der Samuel-Brüder, die für die Rothschilds die Märkte in Asien erschließen sollten. Der Konkurrenzkampf zwischen diesen Gruppen ging als „Ölkriege“ in die Geschichtsbücher ein.

Auch die Niederländer waren mit der „Royal Dutch Petroleum Company“ am Geschäft um das „schwarze Gold“ beteiligt und besonders aktiv im Orient unterwegs, wo es zu einem ersten Kontakt zwischen dem 1866 in Amsterdam geborenen Unternehmensleiter Henri Wilhelm Deterding und Marcus Samuel kam. Beide Männer sahen in einer Fusion ihrer Firmen eine Möglichkeit, sich vor allen Dingen gegen die übermächtige „Standard Oil Company“ Rockefellers zur Wehr zu setzen.

Im Jahr 1907 kam es zur Kooperation der beiden Gesellschaften, die jedoch als getrennte Unternehmen bestehen blieben. Das Sagen indes hatte der Niederländer, der als Anteilsmehrheitseigner den Posten des Aufsichtsratschefs innehatte. Wie erfolgreich dieser Coup des Zusammenschlusses war, zeigte sich schon kurze Zeit später. So avancierte Shell Ende der 1920er Jahre zu dem einflussreichsten Weltmachtführer auf dem Mineralölmarkt.

Vollständig fusionierten die „Shell Transport und Trading Company“ und die „Royal Dutch Petroleum Company“ im Juli 2005, und das gemeinsame Unternehmen nannte sich fortan „Royal Dutch Shell“.

Marcus Samuels Verdienste für sein Vaterland würdigte das britische Königshaus, indem es ihn 1925 mit dem Adelstitel „1. Viscount Bearsted“ auszeichnete. Ebenfalls Dank galt Henri Wilhelm Deterding, den König Georg V. von Großbritannien 1920 zum Ritter schlug und der sich nun „Sir“ titulieren durfte.

„Royal Dutch Shell“: Wirtschaftliche Situation heute

„Royal Dutch Shell plc“ (public limited company) ist im Handelsregister in London eingetragen und hat ihren Hauptverwaltungssitz im niederländischen Den Haag. Die Konzernleitung liegt in Händen von Ben van Beurden und Charles O. Holliday.

Großen Wert legt Shell auf seine ethischen Unternehmensgrundsätze, die von Aufrichtigkeit, Integrität und Respekt gegenüber dem Mitmenschen getragen sind. Die Einhaltung der Geschäftsprinzipien erwartet sie von all ihren Mitarbeitern, denen sie einen Verhaltenskodex zum Nachlesen an die Hand gibt. Dieser klärt sie beispielsweise über den Umgang mit Gesetzen oder die praktische und faire Zusammenarbeit mit Geschäftspartnern auf. Für den Fall, dass jemand Regelverstöße beobachtet und melden möchte, steht den Angestellten die weltweite Shell Helpline zur Verfügung.

Die Geschäftsbereiche von Shell basieren auf folgenden fünf Feldern:

  1. Suche und Förderung von Erdgas und Erdöl,
  2. Verarbeitung sowie Vertrieb von Mineralöl,
  3. Transport und Vermarktung von Erdgas- und Stromprodukten,
  4. Petrochemie, also die Herstellung von chemischen Produkten aus Erdgas oder Erdöl sowie
  5. Erneuerbare Energien.

Auf dem Gebiet der Erdöl-/Erdgassuche und –förderung ist Shell in über 45 Ländern aktiv, darunter beispielsweise in Brasilien, das nach den Worten von Shell-Chef Ben van Beurden künftig einer der Fokus-Märkte sein werde.

2015 verkündete der Ölgigant, der weltweit zu den bekanntesten und größten Vertreibern von Kraft- und Schmierstoffen zählt, sich künftig auch mehr dem Sektor umweltfreundlicherer Energien widmen zu wollen. Hierzu heißt es im Shell-Geschäftsbericht desselben Jahres: „Angesichts der wachsenden Nachfrage nach umweltfreundlichen Energiequellen wollen wir künftig im großen Stil in CO2-arme und erneuerbare Energiequellen investieren.“

Das Jahr 2016 stellte Shell allerdings vor mehrere Schwierigkeiten. Einmal hatte das Unternehmen unter dem rasanten Ölpreisverfall zu leiden. Daneben galt es, die millionenschwere Übernahme des britischen Konkurrenten „BG Group“ zu Beginn des Jahres zu meistern. Aus diesen Gründen beschloss Shell einen Sparkurs, der die Veräußerung eines kleinen Teils der Öl- und Gasproduktion sowie Stellenstreichungen vorsah.

Trotz dieser jüngsten Entwicklungen hält das etablierte Börsenmagazin „Der AKTIONÄR“ die Aktie von „Royal Dutch Shell“ für ein weiterhin hochattraktives Papier. Als Grund nennt es die satte Dividendenrendite, die breite globale Aufstellung sowie eine sehr solide Bilanz.

Shell Wesseling Renovierung

„Royal Dutch Shell“ in der Kritik: Umweltschützer schlagen Alarm

Nicht immer lief es für die „Royal Dutch Shell“ so geschmiert, wie es für ein Ölunternehmen wünschenswert wäre. Zu den bekanntesten Fällen der letzten drei Jahrzehnte, die für negatives öffentliches Aufsehen sorgten, zählte 1995 der Streit um die Entsorgung der Erdölplattform „Brent Spar“ im Atlantik. Diese lag 190 Kilometer nordöstlich der Shetland-Inseln und hatte dem Ölriesen von 1976 bis 1978 als Zwischenlager für den Rohstoff gedient.

17 Jahre später erinnerte sich Shell wieder an seinen Stahlkoloss in der Nordsee und wollte ihn an Ort und Stelle mitsamt seiner Ölschlämme, Schwermetalle und radioaktiven Abfälle versenken. Auf diese Pläne reagierten zahlreiche Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace mit einem Aufschrei des Entsetzens und Protestes. Der öffentliche Druck führte schließlich dazu, dass Shell im Juni 1995 bekannt gab, die „Brent Spar“ an Land zu zerlegen.

Auch im Jahr 2012 geriet das Unternehmen ins Blickfeld der Kritik, nachdem es Ölbohrungen in der Arktis vorgesehen hatte. Während die US-Regierung dieses Vorhaben genehmigt hatte, machten sich lautstark weltweite Kampagnen für den Erhalt der einzigartigen Naturlandschaft stark. Mit der Begründung, ölfördernde Aktivitäten in dieser Region würden zu wenig Ertrag bringen und seien zu kostspielig, brach Shell im September 2015 schließlich sein einstiges Vorpreschen wieder ab.

Ebenfalls teuer zu stehen kam Shell die Ölkatastrophe im Niger-Delta. Durch Lecks in veralteten Pipelines war permanent Öl ausgetreten und hatte die Region derart verschmutzt, dass die Bauern und Fischer nicht nur ihrer Lebensgrundlage beraubt wurden, sondern die Umweltverschmutzung auch in erschreckend großem Ausmaß mit ihrem Tod bezahlen mussten.

Zunächst wies der Shell-Konzern alle Verantwortung für die Katastrophe von sich und nannte als Verursacher Sabotage und organisierten Diebstahl von Öl. Nach jahrelangen juristischen Auseinandersetzungen einigte sich das Unternehmen schließlich 2015 außergerichtlich auf eine Entschädigung der Bewohner des Niger-Deltas im Umfang von etwa 44,6 Millionen Euro sowie auf eine Reinigung des verschmutzten Gebiets.

Neben diesen Vorfällen geriet die „Royal Dutch Shell“ noch wegen diverser anderer Pannen immer wieder ins Visier öffentlicher Anfeindungen. Oftmals langwierig und schwerfällig hat sie diese in früheren Jahren zur Kenntnis genommen und darauf reagiert.

Mit dem allmählichen Umdenken der Gesellschaft hin zu mehr Umweltschutz und einem gesünderen Leben kam auch – im übertragenen Sinne – der Tanker in Fahrt und legte sich ein neues Unternehmensimage zu. Heute präsentiert sich Shell als innovativer und fairer Marktanbieter der Zukunft, dem Transparenz und ökologische Nachhaltigkeit von großer Wichtigkeit sind. Doch wie für jedes global agierende Unternehmen, das in einem harten Konkurrenzkampf steht, bedeutet dies stets eine schmale Gratwanderung zwischen ethisch korrektem Verhalten einerseits und dem Streben nach Profitsteigerung andererseits.

Shell Wesseling Frontansicht

Shell in Deutschland: Eine bewegte Geschichte

1902 ging es im industriegeprägten Düsseldorfer Stadtteil Reisdorf geschäftig zu. Papiere wurden unterzeichnet und die Gründung der „Benzinwerke Rhenania GmbH“ besiegelt. Diese waren eine deutsche Tochtergesellschaft von „Royal Dutch“ und sollten Rohöl zu Kraftstoffen verarbeiten. 1913 gab es für die Betreiber des Unternehmens mit der Einweihung der Schmieröl-Raffinerie „Mineralölwerke Rhenania GmbH“ in Monheim am Rhein erneut einen Grund zum Feiern.

Während des Ersten Weltkriegs (1914-1918) setzte die Gesellschaft mehrere Maßnahmen um, um ihre Effizienz zu steigern. Zum einen brachte sie 1917 ihre Benzinfabrik mit ihrer Raffinerie unter ein Dach und benannte sich in „Mineralölwerke Rhenania Aktiengesellschaft“ um. Zum anderen erfolgte eine Beteiligung an der „Ölwerke Stern-Sonneborn AG“ (Ossag), die eines der besten Schmieröle auf dem deutschen Markt herstellte.

Nach Ende des Krieges setzte ab 1920 der systematische Aufbau eines Tankstellennetzes in Deutschland ein. Vorher befanden sich Zapfstellen häufig vor Apotheken, Gaststätten, Hotels oder Kolonialwarenhändlern, die als Verkaufsstellen von Treibstoffen dienten. Wer damals tanken wollte, klopfte an das jeweils zugehörige Geschäft, woraufhin Personal herbeieilte und einen bediente.

Die Rhenania eröffnete ihre erste Tankstelle 1924 in Neuss. Ausgestattet war diese mit einer Benzinpumpe in den für Shell bekannten kräftigen Farben Rot und Gelb. Diese Zapfsäule mit dem geschwungenen Fuß kannten die Autofahrer auch unter der Bezeichnung „Eiserne Jungfrau“.

Während sich die Rhenania mehr und mehr auf dem deutschen Ölmarkt etablierte – im Ersten Weltkrieg war sie Hauptlieferant der deutschen Armee gewesen -, hatte sich das Ossag-Unternehmen während der Inflation finanziell verkalkuliert. „Royal Dutch Shell“ nutzte diese Gelegenheit und kaufte im Juni 1925 die „Ölwerke Sonneborn AG“ für 8,8 Millionen Reichsmark auf. Ab diesem Zeitpunkt lautete der neue Firmenname „Rhenania-Ossag Mineralölwerke AG“. Neben dem Verkauf des Benzins „Stellin“ und des Benzin-Benzol-Gemischs „Dynamin“ aus der hauseigenen Rhenania-Produktion stellte das Unternehmen nun auch sogenannte Ölkabinette auf, die in einem weiteren Tank das von Ossag stammende Voltol anboten.

Bis 1935 hatte sich die Rhenia-Ossag so weit hochgearbeitet, dass sie hinter der DAPG („Deutsch-amerikanische Petroleum Gesellschaft“, heute ESSO) die zweitgrößte Tankstellengesellschaft in Deutschland war. Doch mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 1939 wandelte sich die unabhängige Stellung der Mineralölunternehmen hin zu einer zentral vom Hitler-Regime gesteuerten. Ihre zentrale Funktion bestand nun darin, Kriegsfahrzeuge mit Treibstoff zu beliefern.

Das Kriegsende 1945 bedeutete für viele ein grausames Erwachen aus der Verblendung durch die nationalsozialistische Propaganda. Deutschland lag zerstört in Trümmern und Asche. Die Raffinerien der Ölindustrie waren in Flammen aufgegangen und zurück geblieben waren Ruinen.

1947 berappelte sich Shell wieder und begann mit dem Wiederaufbau ihrer Werke. Als Zeichen für den Neuanfang gab sie sich den Namen „Deutsche Shell Aktiengesellschaft“. Aufgrund der stark ansteigenden Motorisierung schaffte es das Unternehmen innerhalb kürzester Zeit, erneut auf dem Mineralölmarkt Tritt zu fassen und ihre Produktpalette sogar um die Bereiche Chemie (1950er Jahre) und Erdgas (1960er Jahre) auszuweiten. Weiter steil nach oben ging es ab 1990, als es zur deutsch-deutschen Wiedervereinigung kam und der Treibstoffhandel in den neuen Bundesländern umstrukturiert wurde.

2002 schlossen sich die „Deutsche Shell AG“ und die RWE-Dea zu einem Joint Venture zusammen. Die dabei entstandene Verflechtung des sogenannten Downstream-Geschäfts - Raffinerien, Logistik und Tankstellen – firmierte unter der Bezeichnung „Shell & DEA Oil GmbH“. Noch im selben Jahr schluckte Shell das Unternehmen und flaggte ab 2004 die meisten DEA-Tankstellen unter seinem neuen Namen um, der seit 2003 lautete: „Shell Deutschland Oil GmbH“.

Mit Aktivitäten in über 70 Ländern hat sich die Gesellschaft heute zu einem weltweit führenden Player auf dem Energiemarkt entwickelt. Der Hauptsitz der „Shell Deutschland Oil GmbH“ liegt in der Hansestadt Hamburg, und ihr Geschäftsbereich umfasst folgende Sparten: Einmal geht es um die Förderung und den Verkauf von Erdöl und Erdgas. Daneben verarbeitet und vertreibt sie Mineralöl- und petrochemische Produkte. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Forschung und Entwicklung, womit sich das Technology Centre Hamburg befasst.

Bekannt ist Shell auch für seine „Jugendstudie“, die der Konzern seit 1953 im Abstand von etwa vier Jahren herausgibt und die er von Universitätswissenschaftlern erstellen lässt. Die 17. „Shell Jugendstudie“ erschien 2015 und befasste sich – wie die anderen auch – mit den Gewohnheiten, Werten und dem Sozialverhalten Heranwachsender in Deutschland.

Insgesamt beschäftigt der Konzern rund 7.000 Mitarbeiter und betreibt bundesweit aktuell 1.957 Straßentankstellen. Damit liegt er auf Platz zwei hinter der Aral AG, die ein Netz von 2.354 Zapfsäulen-Shops unterhält.

Unter dem Vorsitzenden Stijn van Els, der Peter Blauwhoff im Jahr 2016 ablöste, zählen Klaus Bortel und Armin Senger mit zur Geschäftsführung von Shell in Deutschland. Das Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden bekleidet Istvan Kapitany.

Shell-Werk in Wesseling: Die größte Raffinerie in Deutschland

Die „Rheinland Raffinerie Werk Süd“, wie die von der „Shell Deutschland Oil GmbH“ betriebene Anlage in Köln-Wesseling heute offiziell heißt, glänzt mit beeindruckenden Zahlen. Zusammen mit dem Werksteil in Köln-Godorf nimmt es eine Gesamtfläche von gut 440 Hektar ein und verarbeitet jährlich 17 Millionen Tonnen Rohöl.

Die Gründung der Raffinerie in Wesseling fiel in die Zeit des Nationalsozialismus und begann erfolgsversprechend im Sinne begehrter Nachfrage nach Treibstoff:

Shell Wesseling Transportleitungen

Anfänge der Shell-Raffinerie in Wesseling: Union Kraftstoff macht mobil

Bereits 1933, als die Nazis an die Macht gekommen waren, beklagte Adolf Hitler die Treibstoffknappheit in Deutschland und die damit verbundene Abhängigkeit von Öl-Importen aus dem Ausland. Wie sollte er so eine schlagkräftige, aus Schiffen, Flugzeugen und Panzern bestehende Kriegsmaschinerie aufbauen, die die Welt erobert?

Am 10. Januar 1334 lud das Reichswirtschaftsministerium in Berlin die wichtigsten Vertreter der deutschen Erdölunternehmen zu einem Gespräch ein. Zusammen beratschlagten sie ein Konzept, das das Ziel größerer Autarkie Deutschlands auf dem Spritmarkt verfolgte. Als Ergebnis verabschiedeten sie das Reichsbohrprogramm, das eine Intensivierung der Nutzung einheimischer Ressourcen vorsah.

Im Zuge dieser Entwicklung fanden zahlreiche Bauaktivitäten statt, sodass es zu Beginn des Zweiten Weltkriegs bereits sieben Hydrierwerke im Deutschen Reich gab. Zwei weitere befanden sich im Bau und drei standen kurz vor der Inbetriebnahme. Die größte Anlage unterhielten die I.G. Farben in Leuna.

Auch in Wesseling schossen die Schlote gen Himmel, nachdem es 1937 zur Gründung der „Union Rheinische Braunkohlen Kraftstoff AG“ (kurz: UK oder Union Kraftstoff) gekommen war. In der Vorstandsetage des Werkes saßen damals Carl Müller von Blumencron, Heinz Niedelmann und Erich Meissner.

1941 startete die Hydrieranlage mit der Produktion synthetischen Treibstoffs, indem sie Kohle mittels des Bergius-Pier-Verfahrens verflüssigte. Schnell erwies sich die „Union Rheinische Braunkohlen Kraftstoff AG“ als ein rentables Unternehmen, denn bereits ein Jahr nach Aufnahme des Betriebs stellte sie 250.000 Tonnen Kraftstoff her. Damit deckte die UK rund fünf Prozent des gesamten Treibstoffbedarfs des Deutschen Reichs ab.

Von Vorteil für das Werk war seine günstige Lage am linken Ufer des Rheins. Den Fluss nutzte es zum einen als Schifffahrtstransportweg, zum anderen aber auch als Kühlmittel. Ebenfalls als großes Standortplus erwies sich die Nähe zum Rheinischen Braunkohlerevier in der Kölner Bucht. Dort waren es insbesondere die Grube Vereinigte Ville sowie der Tagebau Berrenrath, die die UK mit bereits aufgearbeiteter und getrockneter Kohle belieferten.

Der Transport des begehrten Rohstoffes vom Braunkohlerevier zur Union Kraftstoff in Wesseling erfolgte über drei verschiedene Wege. So stand zum einen die „Querbahn“ zur Verfügung. Bei dieser handelt es sich um eine von der „Häfen und Güterverkehr Köln AG“ (HGK) betriebenen Eisenbahnstrecke, die von Brühl über Vochem und Köln verläuft und am Hafen in Godorf endet. Daneben kam auch die sogenannte Schwarze Bahn zum Einsatz, die die Orte Köln, Sülz und Berrenrath verband, sowie die Grubenanschluss-Villebahn.

Während der Zeit der Nazi-Diktatur waren unter den Beschäftigten der Union Kraftstoff auch Tausende von Zwangsarbeiten, die das schwere Los zu tragen hatten, unfreiwillig zum Erhalt des Kriegsapparates mit beizutragen. Einfache Holzbarracken im „Südlager“ dienten ihnen als Unterkunft. Dieses bot rund 2.000 Arbeitern Platz und war in vier Komplexe unterteilt: Süd I mit einer Unterbringungskapazität von 650 Personen; in Süd II konnten 1.000 und in Süd III 300 Menschen Unterschlupf finden, in Süd IV 60.

Weitere Wohnbaracken auf dem Werksgelände befanden sich am Fluss, weshalb sie kurz als „Rheinlager“ zusammengefasst wurden. Hier konnten 650 Beschäftigte ihr Quartier aufschlagen. Von 1942 an waren dies vor allen Dingen Frauen aus der Ukraine.

1943 neigte sich der Krieg dem Ende entgegen, und es kam immer wieder zu massiven Luftangriffen auf die Wesselinger Industrieanlagen. Besonders schwer trafen die Bomben das UK-Werk am 19. Juli 1944, wobei es zu 20 Prozent zerstört wurde. Nach einer weiteren Attacke im Oktober desselben Jahres stand es schließlich Ende 1944 still.

Nach 1945 begann der Wiederaufbau der Raffinerie. Da die alliierten Siegermächte Deutschland die weitere Produktion von Treibstoff untersagt hatten, musste sich das Wesselinger Hydrierwerk nach einem neuen Absatzmarkt umsehen. Schließlich fokussierte es sich auf die Agrarindustrie und stellte mittels des Haber-Bosch-Verfahrens Ammoniak für Düngemittel her. Später nahm es noch die Verarbeitung von Harnstoffen zu Viehfutter in ihren Produktionsbetrieb mit auf.

Ab 1949 ging die Raffinerie der Union Kraftstoff wieder zur Erzeugung von Treibstoffen über. Als Ausgangsgrundstoff diente ihr nun nicht mehr Braunkohle, sondern Rohöl. Mit der Gründung der Nord-West-Ölleitung im Jahr 1956, an der sich die UK beteiligte, war deren Rohstoffversorgung in großem Umfang sichergestellt.

Der Aufschwung des Unternehmens schritt kontinuierlich fort, was es unter anderem den beiden Wissenschaftlern Dr. Ernst Peukert und Dr. Friedrich Hilberath zu verdanken hatte. Diese hatten ein hauseigenes, nach ihnen benanntes Verfahren zur Herstellung von Methanol erfunden, das der UK in den 1960er Jahren zur Marktführerschaft auf diesem Gebiet in Europa verhalf.

Nicht weniger erfolgreich verliefen die folgenden Jahrzehnte. Neben einer immensen Steigerung der Rohölkapazität auf mehrere Millionen Tonnen kam ab 1985 die Produktion von Düsentreibstoffen und ab 1986 von Schmierstoffen hinzu.

Shell Wesseling Ansicht vom Feld

Umstrukturierung: Von der UK zur Shell-„Rheinland Raffinerie“

Die zunehmende Industrialisierung und Globalisierung sowie die damit verbundene Verschärfung des Konkurrenzkampfes führte in allen Bereichen der Wirtschaft zu Verschiebungen und Bündelungen von Aktivitäten, zu Kooperationen sowie zur Übernahme von Gesellschaften und Betrieben durch stärkere Unternehmen am Markt.

Das Jahr 1989 leitete das langsame Ende der „Union Rheinische Braunkohlen Kraftstoff AG“ ein. Zu jener Zeit stieg die „DEA Mineralöl AG“ in das Geschäft ein und übernahm deren Verarbeitungs- und Vertriebssektor. Die restlichen Aktivitäten gingen auf die „RWE-DEA AG“ über. Fortan fokussierte sich die UK also im Verbund mit den externen Gesellschaftern auf die Produktion von petrochemischen Grundstoffen und hochwertigen Mineralölprodukten.

Im Jahr 2002 fusionierte die „RWE DEA“ in Wesseling in mehreren Schritten mit der sechs Kilometer entfernt liegenden Shell-Raffinerie in Köln-Godorf. Zwei Jahre später kam es zur Gesamtübernahme durch die „Shell Deutschland Oil GmbH“, und die einstige Union Kraftstoff erhielt den Namen „Rheinland Raffinerie Werk Süd“.

Wesseling und Godorf: Die „Rheinland Raffinerie Werk Nord und Süd“

Werk Süd

Das „Rheinland Raffinerie Werk Süd“ in Wesseling ist eine der modernsten Industrieanlagen in Deutschland und verfügt über eine Rohölkapazität von circa sieben Millionen Tonnen im Jahr. Neben Mineralölprodukten stellt es heute vor allen Dingen Aromaten, Olefine und Methanol als Basisstoffe für die petrochemische Industrie her. Sein Öl bezieht das Werk über zwei Quellen, zum einen über die Rotterdam-Rhein-Pipeline und zum anderen über die Nord-West-Ölleitung aus Wilhelmshaven.

Werk Nord

Der Schwerpunkt der „Rheinland Raffinerie Nord“ in Godorf liegt auf der Herstellung von klopffesten Otto- und Dieselkraftstoffen, Kerosin, Bitumen und Heizölen. Mit einer Verarbeitungskapazität von fast zehn Millionen Tonnen Rohöl jährlich ist sie eine äußerst leistungsstarke und ebenfalls hochmoderne Anlage. Zulieferer der Raffinerie ist der Ölhafen in Rotterdam.

Die offizielle Eröffnung des Werkes in Godorf hatte am 15. Juli 1960 durch den Bundesminister für Atomenergie und Wasserwirtschaft, Siegfried Balke, stattgefunden. Zu dem Zeitpunkt produzierte die größte Raffinerie der „Deutschen Shell AG“ bereits ein Jahrespensum von vier Millionen Tonnen Rohöl.

Die Geschichte des Werksteils im Norden ist die einer ständigen Modernisierung. So führten der Wirtschaftsboom und die gestiegene Nachfrage nach Kraftstoffen in den 1960er Jahren zu einem Erweiterungsbau der Raffinerie. Dieser bestand aus einem Komplex aus Destillations- und Weiterverarbeitungsanlagen, der 1967 seinen Betrieb aufnahm.

Eine weitere Verbesserung gelang mit der Installation einer Isomerisationsanlage, die die Oktanzahl des Benzins auch bei niedrigem Bleigehalt garantiert, sowie mit der Einführung einer Konversionsanlage in den 1980er Jahren. Diese wandelt schweres Heizöl in leichtere Produkte und stark entschwefelte Rohstoffe um.

Connect-Pipeline

Aus der Überlegung heraus, die Effizienz des Werks in Godorf und in Wesseling zu steigern, entstand das sogenannte Connect-Projekt. Dieses sah eine Verbindung beider Anlagen vor, die dem Austausch von Produkten dienen sowie eine gemeinsame Nutzung der Entschwefelungstechnologie ermöglichen sollte. Am 18. Juli 2011 kam es zur Realisierung dieses Projekts, indem der Bau einer rund vier Kilometer langen, aus vier Rohren sowie einem Kommunikationsglasfaserkabel bestehenden Connect-Pipeline begann. Am 23. Juli 2013 nahm sie ihre Arbeit auf.

Werk Nord und Süd: Beschäftigte und soziales Engagement

Insgesamt sind in beiden Werken 1.600 festangestellte Mitarbeiter beschäftigt, zu denen noch regelmäßig 1.300 Arbeiter von Partnerfirmen sowie rund 100 Auszubildende hinzukommen.

Aktiv ist die Shell „Rheinland Raffinerie“ übrigens nicht nur auf dem industriellen Sektor, sondern sie engagiert sich auch für soziale und gemeinnützige Initiativen und unterstützt Vereine insbesondere vor Ort in Wesseling sowie in der Nachbargemeinde auf der gegenüberliegenden Rheinseite. Ebenso führt sie selbst Projekte durch wie die Reihe „Die Schulbotschafter“, die das Interesse junger Menschen an technisch-naturwissenschaftlichen Fächern und Berufen stärken soll.

Auch legt die Raffinerieleitung großen Wert auf den Kontakt zu den Wesselinger Bürgern und bietet mindestens zweimal im Jahr ein Gespräch mit Vertretern verschiedener, gesellschaftlich relevanter Gruppen und Institutionen an, um sich deren Sorgen und Verbesserungsvorschläge anzuhören.

Shell Wesseling Karte Wesseling Luftansicht

„Rheinland Raffinerie“: Sicherheitsstandards und Störfälle

Shell ist permanent bemüht, die Sicherheitsstandards in seinem Werk in Wesseling auf einem hohen Niveau zu halten und zu verbessern, und es gelten diesbezüglich strenge Regeln auf dem Gelände. So unterhält das Unternehmen eine eigene Feuerwehr mit etwa 100 hauptberuflichen Löschmännern, die rund um die Uhr einsatzbereit sind. Zusätzlich überprüft eine unabhängige Überwachungsorganisation in regelmäßigen Abständen den Zustand der Raffinerie. Des Weiteren finden intensive Schulungen für die Mitarbeiter im Sicherheitszentrum statt.

Trotz der großen Vorsichtsmaßnahmen schrieb das Werk aufgrund diverser Pannen immer mal wieder negative Schlagzeilen, wie die Chronologie der Jahre ab 2000 zeigt, von denen hier nur die schwerwiegendsten Vorfälle aufgelistet sind:

Im März 2000 verursachte ein geplatztes Rohr eine Explosion, die einen Großbrand in der Raffinerie auslöste und die Destillationsanlage größtenteils zerstörte. Zu erhöhten Schadstoffwerten in der Umgebung kam es dabei nicht.

Zwischen November 2008 und Mai 2011 rieselten insgesamt sechsmal Partikel auf die Firma herunter, die zu Augen- und Hautreizungen sowie zu Lackschäden an Autos führten. Shell machte schließlich als Verursacher des Niederschlags eine Rauchgasreinigungsanlage aus, deren Arbeitsweise sie umbaute.

Die meisten Störfälle hatte das Unternehmen im Jahr 2012 zu verzeichnen. Einer der größten davon fand im Februar statt, als Experten einen unterirdischen Kerosinsee von der Größe von sechs Fußballfeldern entdeckten. Schuld daran war ein winziges Loch in einer 70 Jahre alten Leitung, aus der vier Wochen lang rund eine Millionen Liter Kerosin getropft waren.

Am 9. Januar 2014 versetzte die Explosion eines Tanks mit gesundheitsgefährdenden Stoffen die Anwohner in Angst und Schrecken. Bis zum Abend mussten sie Fenster und Türen geschlossen halten und sollten in der Folgezeit kein in der Region angebautes Gemüse essen.

Für viele unvergessen ist der Großbrand am 10. Mai 2015, der eine hunderte Meter hohe, tiefschwarze Rauchwolke über das Werk legte. Die Werksfeuerwehr benötigte sieben Stunden, um den Brand zu löschen.

Arbeitsweise einer Raffinerie: Wie Rohöl zu „schwarzem Gold“ wird

Rohöl als solches bringt für den Menschen keinen Nutzen, sondern es kann nur in weiterverarbeiteter Form für zahlreiche industrielle Produkte eingesetzt werden. Dabei kommen in der Raffinerie in Abhängigkeit von dem gewünschten Endergebnis unterschiedliche Verfahren zur Anwendung.

In einem ersten Schritt geht es darum, das Rohöl in seine Kohlenwasserstoffmoleküle zu zerlegen. Dies geschieht mittels Destillation. Die daraus entstandenen schweren und leichten Bestandteile werden anschließend in weiteren Spaltverfahren zu gebrauchsfertigen Mineralölprodukten weiterverarbeitet.

Da Rohöl auch Schwefel enthält, das beim Verbrennen von Benzin oder Kerosin als umweltschädliche Dioxidemissionen freigesetzt wird, müssen sämtliche Rohöldestillate den Prozess der Entschwefelung durchlaufen.

Konversionsanlagen arbeiten nach der Methode des sogenannten Crackens, das die schweren Bestandteile des Rohöls in leichtere Molekülketten zerteilt, die beispielsweise Dieselkraftstoffen beigemischt werden.

Schlussendlich durchläuft das Rohöl noch diverse Veredelungsverfahren, die es zu einer qualitativ hochwertigen Kraftstoffkomponente mit hoher Klopffestigkeit machen. Die Klopffestigkeit eines Treibstoffs, die an der Oktanzahl abzulesen ist, bezieht sich auf seine Eigenschaft, sich nicht unkontrolliert selbst zu entzünden und zu verbrennen.

Shell-Rheinland: Leben in der Werkssiedlung

Shell Wesseling Karte ehemalige Siedlung Beschäftigte

Im Jahr 1937 baute die damalige Union Kraftstoff in unmittelbarer Werksnähe eine Siedlung für ihre Beschäftigten. Diese galt mit ihren gepflegten Einfamilien- und Doppelhäusern im romantischen Landhausstil viele Jahre als eine bevorzugte Wohngegend.

Nach einem schweren Brand in einer Raffinerie in Texas im Jahr 2005 sowie infolge neuer Sicherheitsstandards entschloss sich jedoch der Shell-Konzern im Jahr 2006 zum Abriss des Komplexes. Von dieser Entscheidung zeigten sich die meisten der 200 Betroffenen zutiefst enttäuscht, denn die Siedlung mit ihren malerischen Straßen und Gebäuden war ihnen ans Herz gewachsen. Um ihnen den Umzug zu erleichtern, versprach Shell Unterstützung finanzieller Art sowie bei der Wohnungssuche.

Im Jahr 2006 begann Shell mit dem Rückbau von 87 Gebäuden. Das Ende der Abrissarbeiten ist für das Frühjahr 2017 vorgesehen. Verschont davon sollen 25 Häuser entlang der Siedlungen „Clarenburg“ und „Dieselstraße“ bleiben.

Wie die Zukunft des weiterhin öffentlich zugänglichen Areals aussieht, wollen Shell und die Stadt gemeinsam überlegen. Einig ist man sich bereits in dem Punkt, dass es keine neue Bebauung geben wird.

Nach Angaben des Unternehmens haben mittlerweile alle ehemaligen Mieter eine neue Bleibe gefunden. – Kurzfristig diente die Werkssiedlung auch der Unterbringung von Flüchtlingen, als es im Jahr 2015 zu der riesigen Welle von in Europa Schutzsuchenden kam.

Shell Wesseling Karte ehemalige Siedlung Beschäftigte Bild 2

Wesseling: Wenn der Nachbar eine Raffinerie ist

Wer auf der A 555 zwischen Bonn und Köln unterwegs ist, dem fällt schon von der Ferne die imposante Industriekulisse Wesselings auf. Rauchende Schlote, züngelnde Fackeln und dampfende riesige Kessel erwecken den Eindruck einer irrealen futuristischen Stadt, die so gar nicht ins umliegende Landschaftsbild passt.

Mit seinen zahlreichen Industrieanlagen zählt Wesseling heute zu den wichtigsten Standorten der Petrochemie in Deutschland. Im Kontrast zu den immensen Ausmaßen der Fabriken erscheint der Ort selbst überschaubar, denn mit seinen rund 36.000 Einwohnern ist er nur eine mittelgroße Kleinstadt.

Standortvorteil: Alle Wege führen nach Wesseling

Wesselings Infrastruktur ist optimal mit allen Verkehrswegen vernetzt. Die Lage am linken Ufer des Rheins stellt für die Schifffahrt eine Verbindung zu den großen Häfen an der Nordsee dar. Der Transportverkehr auf der Straße profitiert von der unmittelbaren Nähe zur A 555 und A 553.

Auch ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt befindet sich mit dem Kölner Hauptbahnhof in nächster Umgebung. Ebenfalls schnell erreichbar sind die Luftwege. So liegt der Flughafen Köln/Bonn „Konrad Adenauer“ 22 Kilometer entfernt und der Airport Düsseldorf 81 Kilometer.

Wesseling gehört dem Rhein-Erft-Kreis an und untersteht dem Regierungsbezirk Köln. Gelegen ist es in Nordrhein-Westfalen, dessen Landeshauptstadt Düsseldorf ist und das das bevölkerungsreichste Bundesland in Deutschland ist.

Im Norden stößt Wesseling an die Grenzen der Kölner Stadtteile Godorf, Immendorf und Meschenich. Westlich liegt Brühl, das bekannt ist für die ehemalige Schlossresidenz von Kurfürst Clemens August sowie für seinen Freizeitpark „Phantasialand“. Im Süden grenzt Wesseling an Bornheim, das sich mit seinem Spargelanbau einen überregional anerkannten Ruf erworben hat. Östlich und somit auf der gegenüberliegenden Rheinseite erstreckt sich der Ort Niederkassel. - Die nächstgrößeren Städte Köln und Bonn sind mit circa 13 Kilometern in etwa gleich weit entfernt.

Wesseling, das eine Fläche von 23,37 Quadratkilometern einnimmt, besteht aus vier Ortsteilen: Mitte (12.158 Einwohner), Keldenich (14.685 Einwohner), Berzdorf (4.777 Einwohner) und Urfeld (3.950). Das Autokennzeichen der Stadt lautet BM, das für Bergheim steht, den Verwaltungssitz des Rhein-Erft-Kreises. Die Postleitzahl ist 50389, die Telefonvorwahl 02236.

Städtepartnerschaften unterhält Wesseling zu Pontivy in Frankreich, West Devon in Großbritannien, Leuna in Sachsen-Anhalt sowie Traunstein in Bayern.

Von der Industrie bis zur Landwirtschaft: Vielseitiges Wesseling

Die florierende Wirtschaft Wesselings ist breit aufgestellt und beschränkt sich nicht allein auf die Großindustrie, sondern umfasst auch zahlreiche mittelständische und landwirtschaftliche Betriebe.

Großindustrie

In Wesseling sind zahlreiche Groß- und mittelständische Unternehmen angesiedelt. Über 60 davon sind im Bereich der Industrie tätig, die schon früh ihre Vorliebe für diesen zentral gelegenen Ort entdeckt hat. Bereits 1793/94 nahm eine Gerberei als erster industrieller Betrieb in Wesseling ihre Arbeit auf.

Heute sind es vor allen Dingen folgende namhafte Großkonzerne, die Raffinerien, Verbrennungs- und Chemieanlagen am Ort betreiben:

  • Shell Deutschland Oil GmbH: Die Raffinerie Rheinland unterhält Rohöl verarbeitende Anlagen sowie Tanklager und vertreibt ihre Produkte mittels Bahn-, Tanklastwagen- und Hafenverladungen. Vorwiegend stellt sie klopffeste Otto- und Dieselkraftstoffe sowie Heizöle, Kerosin und Bitumen her, daneben aber auch Flüssiggase wie Butan und Propan. - Mit bis zu 3.000 Mitarbeitern ist Shell der größte Arbeitgeber am Platz.
  • Evonik Degussa GmbH: Der Fokus des Fertigungswerks liegt auf der Produktion diverser organischer und anorganischer Stoffe, die u.a. in der Tiernahrung, der Bau- und Automobilindustrie sowie in der Kosmetik zum Einsatz kommen. Eine weitere Anlage des Konzerns ist in Niederkassel-Lülsdorf anzutreffen. - Das Werk in Wesseling beschäftigt rund 1.200 Mitarbeiter.
  • Basell Polyolefine GmbH: Der Betrieb gehört zur LyondellBasell Firmengruppe und befasst sich mit der Herstellung von Kunststoffgranulaten. - Über 1.400 Menschen finden hier eine Arbeit.
  • Stepan Deutschland GmbH: Der Schwerpunkt des Wesselinger Chemiewerks liegt auf der Erzeugung von anionischen Tensiden, die ein wichtiger Bestandteil von Wasch- und Reinigungsmitteln sind. - Bis zu 1.500 Personen arbeiten für das Unternehmen.
  • Braskem Europe GmbH: Der Hauptsitz des Mutterkonzerns Braskem S.A. liegt in Sao Paulo in Brasilien. Im Ausland ist der Produzent von thermoplastischen Kunststoffen und anderen petrochemischen Produkten an zahlreichen Industriestandorten vertreten. In Deutschland betreibt die Braskem Europe GmbH ein Werk in Schkopau und eins in Wesseling. - An beiden Standorten sind insgesamt 170 Mitarbeiter beschäftigt, 60 davon in Wesseling.
  • Kraton Polymers GmbH: Kraton ist ein kunststoffverarbeitendes Unternehmen, dessen breite Produktpalette insbesondere für die Kleb- und Dichtstoffindustrie, aber auch für die Auto- und Flugzeugbranche sowie für den Straßenbau von Interesse ist.
  • TRV Thermische Rückstandsverwertung GmbH & Co.KG: Um die umweltgerechte Entsorgung von Abfällen, insbesondere von Sondermüll, kümmert sich dieser Betreiber.
  • Evonik Rhöm GmbH: Dieses Unternehmen bietet Ausgangsstoffe und Zwischenprodukte für die Herstellung von Kunststoffen auf Acrylbasis an, die Anwendung in Straßenmarkierungsfarben und Lacken finden.
  • Cyplus GmbH: Hierbei handelt es sich um eine Produktionsanlage für Cyanide, die etwa bei der Gewinnung von Gold im Bergbau eingesetzt werden.
  • Saint-Gobain Abrasives GmbH: Der Entwickler von Schleifmitteln ist international aufgestellt. Die Produktionsstätte in Wesseling ist die Hauptniederlassung des Unternehmens in Deutschland.
  • KWE Köln-Wesselinger Eisenbau mbH: Das Betätigungsfeld umfasst das Entwerfen, die Planung sowie die Fertigung von Metallwaren aller Art, wobei der Schwerpunkt auf dem Stahlbau liegt.

Mittelständische Unternehmen

Als Stadt mit dem höchsten Anteil an Gewerbeflächen im Bezirk der IHK Köln steht den vielen mittelständischen Unternehmen, die sich in Wesseling angesiedelt haben und die den verschiedensten Branchen angehören, ausreichend Platz zur Verfügung.

Das größte Gewerbegebiet nennt sich „Rheinbogen“ und liegt direkt an der A 555. Es weist eine Fläche von 162.000 Quadratmetern auf und ist von der Stadt zusammen mit der „Shell Oil Deutschland GmbH“ entwickelt worden. Einen weiteren Ausgleich zur Dominanz der Großindustrie vor Ort bietet der Gewerbepark Wesseling/Eichholz, der ein Areal von 135.000 Quadratmetern umfasst. Als ausgewiesenes Gewerbe- und Industriegebiet gelten auch 30 Hektar Land in Urfeld, das sich allerdings in privater Hand befindet.

Für die Wirtschaft ist die Stadt nicht nur wegen ihrer günstigen Lage und der Möglichkeit, bequem geschäftliche Kontakte knüpfen zu können, attraktiv. Auch steuerliche Gründe spielen eine Rolle, denn der in Wesseling erhobene Hebesatz liegt deutlich unter dem, der im Durchschnitt in Nordrhein-Westfalen zu entrichten ist. Von dieser Regelung profitieren übrigens auch Haus- und Grundstücksbesitzer bei der Abgabe ihrer Grundsteuer.

Landwirtschaft

Von Bedeutung für Wesseling ist auch die Landwirtschaft. Neben einem intensiven Gemüseanbau wie beispielsweise in Urfeld liegt ein anderer Fokus auf dem Gebiet der Forschung. Diesem Thema widmet sich das bekannte Versuchsgut „Dikopshof“ im Stadtteil Keldenich, das die landwirtschaftliche Fakultät der Rheinischen-Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn betreut. Forschungsgegenstand des Betriebes sind aktuelle und praktische Fragen rund um den Ackerbau.

Das Versuchsgut ist einer der ältesten nachweisbaren Höfe in der Region Köln/Bonn und steht heute unter Denkmalschutz. Nach vorheriger Absprache steht dieser Betrieb für Besichtigungen offen, was möglicherweise auch Fans von TV-Serien begeistern könnte. So diente der „Dikopshof“ bereits mehrmals als Filmkulisse. Im Jahr 2012 war er Schauplatz der ARD-Serie „Heiter bis tödlich: Zwischen den Zeilen“ und 2014 der WDR-Reihe „Die Kuhflüsterin“.

Shell Wesseling Karte Oberleitung zum Rhein

Erfreuliche Zahlen: Arbeitsmarktsituation und -entwicklung

Trotz der vielen unterschiedlichen wirtschaftlichen Standbeine Wesselings liegt der Schwerpunkt im industriellen Zweig, der im Rhein-Erft-Kreis den höchsten Anteil an Arbeitsplätzen stellt. Laut Stand vom 30.06.2015 zählte die Stadt insgesamt 12.510 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, darunter 1.394 Migranten. Deutlich über der Zahl der Frauen, von denen 3.731 einem Job nachgingen, lag mit 8.779 die der berufstätigen Männer.

Über 50 Prozent der Menschen, nämlich 7.104, fand eine Beschäftigung im produzierenden Gewerbe, das mit einem jährlichen Umsatz von 8,7 Milliarden einen profitablen Wirtschaftsmotor darstellt. Als richtungsweisend für eine weiterhin positive Entwicklung des Industriestandorts lässt sich die Ausbildungsplatzsituation deuten. So absolvierten über 70 Prozent der Jugendlichen in diesem Sektor eine Lehre.

Aufgeteilt nach den verbleibenden Branchen arbeiteten 2.080 Personen im Handel, Gastgewerbe oder im Verkehrsbereich sowie 26 in der Land- und Forstwirtschaft. 3.300 befassten sich mit sonstigen Dienstleistungen.

Mit 1.612 gemeldeten Arbeitslosen lag die Quote Mitte des Jahres 2015 bei 8,2 Prozent. Unter diesen war die Zahl der Männer nur knapp höher als die der Frauen. 550 der Nichtbeschäftigten zählten zu den Migranten.

Shell Wesseling Tank 1

Bevölkerungsstruktur: Erfahrung des Alters liegt vorn

Die Altersstruktur in Wesseling führen die 50- bis 59-Jährigen an, knapp gefolgt von den 40- bis 49-Jährigen. Die nächstgrößere Bevölkerungsgruppe ist die der 70-jährigen und älteren Menschen, was zeigt, dass das Wohnen in der Nähe von Industrieanlagen nicht zwangsläufig negative Auswirkungen auf die Lebenserwartung hat. An vierter und fünfter Stelle liegen die Zahlen der 20- bis 29-Jährigen in etwa gleichauf mit denen der 30- bis 39-Jährigen.

In Wesseling leben 18.716 Männer, sodass bei 18.987 weiblichen Personen von einem kaum spürbaren Frauenüberschuss gesprochen werden kann. An Migranten sind 6.394 Menschen in der Stadt untergekommen.

Die größte Zahl der heiratsfähigen Ledigen liegt mit 3.652 naturgemäß bei den 20- bis 29-Jährigen, gefolgt von 1.701 bei den 30- bis 39-Jährigen. Aber auch in der Gruppe der 40- bis 49-Jährigen sind noch 994 Menschen unverheiratet.

Wesseling Rathaus

Wohnungsmarkt: Preiswerte Mieten und familiäre Atmosphäre

Günstige Mieten und erschwinglicher Baugrund machen das Wohnen im gemütlichen Wesseling attraktiv. So liegt laut Mietspiegel 2016 der Quadratmeterpreis von 8,39 Euro für eine 60 Quadratmeter große Wohnung rund zwei Euro unter dem durchschnittlichen Wert in Deutschland. Etwas teurer ist größerer Wohnraum, der aber auch noch einige Cent weniger kostet als der bundesweit übliche Mietpreis.

Eine begehrte Wohngegend für „Häuslebauer“ ist das Neubaugebiet „Eichholz“ in Keldenich, das Mitte des Jahres 2011 eröffnet wurde. Auf einer Fläche von 28.100 Quadratmetern umfasst dieses 51 Baugrundstücke mit Größen von rund 300 bis zu über 900 Quadratmetern. 2013 erfolgte der Vertriebsstart von 40 weiteren Baugrundstücken auf dem „Eichholz“-Areal. Die Preisspanne für die 415 bis circa 570 Quadratmeter großen Flächen reicht von 245 bis 265 Euro pro Quadratmeter.

In Wesseling sind 19 Immobilienmakler und ein Notar ansässig, die bei Fragen rund ums Thema Wohnen weiterhelfen können.

I love Wesseling - Ich liebe Wesseling

Veranstaltungen: Buntes Programm sorgt für jede Menge Abwechslung

Die Wesselinger feiern gerne und lieben die Musik. Das ganze Jahr über finden Konzerte aller Stilrichtungen statt. Im Sommer ist das Open-Air-Festival im 27.000 Quadratmeter großen Rheinpark ein großer Publikumsmagnet, während Liebhaber der Kammermusik bei Streichquartteten und Klavierspiel im Eichholzer Schloss auf ihre Kosten kommen. Für diverse Veranstaltungen wie Theater, Lesungen, Kinotage oder Tanztee für Senioren steht die Eventhalle „Rheinforum“ zur Verfügung.

Zum Kulturkalender Wesselings zählen ferner regelmäßige Feste wie das Straßen- und Kneipen-Festival „Rhein-669-Klang“. Gut besucht ist auch immer wieder die Kunst-Wessinale, die in der Regel gemeinsam mit dem Stadtfest stattfindet. Die Konzertreihe „R(h)ein Jazz“ sowie Gastauftritte bekannter Künstler aus der Musik- und Kabarettszene runden das abwechslungsreiche Unterhaltungsprogramm der Stadt ab, dessen Höhepunkt der für das Rheinland typische Karneval ist.

Freizeit: Für jeden das Passende

Nach einem langen Arbeitstag kann man in Wesseling entweder an vielen idyllischen Plätzen in der Natur die Seele baumeln lassen oder die vielen Einrichtungen nutzen, die für sportliche Aktivitäten bereitstehen.

Ausgelassen plantschen oder stramm ihre Bahnen ziehen können Schwimmer im Gartenhallenbad der Stadt. Neben dem Sport- und Nichtschwimmerbecken gibt es hier auch ein Solarium, eine Sauna, Unterwasser-Massagedüsen und einen Fitnessraum.

Möglichkeiten zum körperlichen Auspowern bieten des Weiteren mehrere Sporthallen sowie als besonderes Highlight für Menschen, die hoch hinaus wollen, die „BRONX ROCK“. Diese Kletterhalle ist äußerst beliebt und versteht es auch, mit speziellen Veranstaltungen wie dem „Boulderbash“-Wettbewerb oder dem „Kids Cup“ noch mehr Besucher anzulocken.

Bewegung an der frischen Luft finden Sportbegeisterte auf einem der beiden Tennisanlagen der Stadt, der Minigolfbahn oder dem Boule-Platz im Rheinpark. Die Baseballer treffen sich in Berzdorf und die, die ihre Fitnessaktivitäten etwas ruhiger angehen, an einem der fünf Angelgewässer in der Umgebung, die im Sommer als Badeseen für eine erfrischende Abkühlung sorgen.

Ein großes Serviceangebot bietet der Heider Bergsee, dessen Strandbad mit feinem Sand unmittelbar an den Campingplatz grenzt. Action lautet das Motto für Surfer und Wasserskifahrer am Bleibtreusee, während naturbelassene Ruhe den Rotter See kennzeichnet. Ein über die Region hinaus bekanntes Gewässer befindet sich im Norden von Köln. Jedes Jahr zieht es zahlreiche Reggae-Fans dorthin, wenn am Fühlinger See wieder das Summerjam-Festival stattfindet.

Das Naturschutzgebiet Entenfang dient vielen Wesselingern als Naherholungsziel und wird von Jung und Alt, bewegungsfreudigen und entspannungssuchenden Menschen gleichermaßen gerne angesteuert. Das Areal ist 75.000 Quadratmeter groß und befindet sich zwischen den Gemeindeteilen Keldenich und Berzdorf.

Die großzügig angelegten Grünflächen bieten zahlreiche Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. So genießen die einen die Natur bei einem gemütlichen Spaziergang oder einem relaxten Sonnenbad, während die andern das Fahrradfahren oder Joggen vorziehen. Jugendliche freuen sich über den Inliner-Park und den Fußballplatz, während kleinere Kinder Spaß auf dem Abenteuerspielplatz haben. Im Sommer finden hier häufig fröhliche Familienfeste und Grillabende statt, bei denen man gelegentlich das Quaken von Wasserfröschen und den seltenen Wechselkröten zu hören bekommt.

Der Entenfang ist ein Biotop, das eine einmalige Tier- und Pflanzenwelt beherbergt. Wohl fühlen sich hier nicht nur zahlreiche Klein- und Großlibellen, sondern auch die Europäische Sumpfschildkröte sowie die Bisamratte. Abends schwirren drei, möglicherweise noch mehr Fledermausarten durch die Lüfte, darunter der Große Abendsegler.

Bedeutsam für das Naturschutzgebiet ist auch die Vogelwelt, die dem tendenziellen Artenrückgang in vielen Biotopen zu trotzen weiß. 52 verschiedene Brutvögel nisten mittlerweile in Entenfang, darunter gut zwölf vom Aussterben bedrohte Arten. Am häufigsten sind Watt- und Wasservögel in dem Naturschutzgebiet anzutreffen.

Vereine: Gemeinsam ist man stark

Die hohe Anzahl von 250 Vereinen, Verbänden, Hilfsorganisationen und Selbsthilfegruppen spiegelt das Traditionsbewusstsein, den ausgeprägten Gemeinschaftssinn sowie die Ortsverbundenheit der Wesselinger wider. Der thematische Schwerpunkt des Zusammenschlusses von engagierten Bürgern liegt mit jeweils rund 28 Vereinen auf dem Gebiet der Musik und des Karnevals.

In Wesseling hat sich auch eine Schauspielertruppe zusammengefunden, die ihre Stücke im Kleinen Theater im „Rheinforum“ einem kulturell interessierten Publikum präsentiert.

Wesseling Ortsschild Wegweiser

Einkaufen und Gaststätten: Große Auswahl

Wem der Sinn nach Shoppen steht, der ist in der Fußgängerzone Wesselings bestens aufgehoben. Diese befindet sich in der Flach-Fengler-Straße, deren Name an das Schicksal zweier ehemaliger Mitarbeiter der Union Kraftstoff während des Nationalsozialismus erinnert. Zu den Opfern der damaligen Massenverhaftungen nach dem gescheiterten Hitlerattentat hatten auch Johann Flach (SPD) und Paul Fengler (KPD) gehört, die an ihrem Arbeitsplatz festgenommen und in Konzentrationslager gebracht worden waren. Beide Männer starben an den Folgen ihrer Inhaftierung.

Insgesamt gibt es in Wesseling 183 Einzelhandelsgeschäfte sowie ein großes Kauf- und Möbelhaus. Wer auf seiner Einkaufstour Hunger oder Durst verspürt, hat die Auswahl zwischen 88 Gaststätten, Cafés, Eisdielen oder Imbissen.

Hotels und Pensionen: Schlafen und Träumen in Wesseling

In Wesseling bieten mehrere Hotels, Pensionen und Monteurzimmer-Vermieter Übernachtungsmöglichkeiten an. Schauen Sie hier bei Monteurzimmer in Wesseling.

Im acht Kilometer entfernten Brühl befindet sich ein Campingplatz mit Wohnmobilparkplatz, Lebensmittelladen und Restaurant. Monteurzimmer in Brühl gibt es auch!

Wesseling Sankt Germanus Kirche

Sehenswürdigkeiten: Alte Hofanlagen und romantische Kirchen

Abgesehen vom bereits erwähnten „Dikopshof“, der ältesten Hofanlage im Köln-Bonner Raum, gibt es in Wesseling und seiner Umgebung noch einige weitere kleinere und größere Kleinode zu entdecken, die von der deutschen Historie erzählen. Da die Luftangriffe während des Zweiten Weltkrieges jedoch viele Gebäude in der Region zerstört hatten, hält sich die Zahl der Sehenswürdigkeiten in einem überschaubaren Rahmen.

Bei einer Zeitreise durch das Gebiet Wesseling stößt man immer wieder auf die Geschichte der Union Kraftstoff, die einst den Wohlstand der Stadt begründete. Anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Unternehmens wurde beispielsweise 1987 der sprudelnde Brunnen auf dem Alfons-Müller-Platz errichtet, der heute kleinen Kindern an heißen Sommertagen als Tummelplatz für lustige Wasserspiele dient.

Wer sich für die Geschichte von Kurfürst Clemens August interessiert, dem empfiehlt sich ein Ausflug zum Entenfang-Schlösschen. Dieses Haus nutzten bis zur Säkularisierung die Pröbste von St. Gereon in Köln zur Entenjagd. Später ging es vermutlich in den Besitz von Clemens August I., 1723 bis 1761 Erzbischof von Köln und somit gleichzeitig Kurfürst des Heiligen Römischen Reiches, über. In dem Gebäude befindet sich heute ein kommunaler Kindergarten.

Zu den historischen Baudenkmälern zählen auch mehrere katholische Kirchen wie die dreischiffige neugotische Backsteinbasilika „Schmerzhafte Mutter“ in Berzdorf oder das malerische Kirchenhaus „St. Germanus“, dessen erste Erwähnung bereits aus dem 10. Jahrhundert stammt und das als das Wahrzeichen Wesselings gilt.

Eine interessante Anlaufstelle für kulturell Interessierte ist ferner der Schwingeler Hof in Keldenich, dessen Entstehungszeit auf das Jahr 1788 zurückgeht. Heutzutage dient er als städtisches Kulturzentrum, in dem diverse Ausstellungen und Festveranstaltungen stattfinden.

Für Kinoliebhaber dürfte ein Besuch des Filmmuseums Romboy lohnenswert sein.

Eine Besonderheit Wesselings ist der innenstädtische Straßenverkehr, bei dem alle Kreuzungen durch Kreisel ersetzt wurden. Um diese optisch aufzuwerten und um deren Akzeptanz bei den Autofahrern zu erhöhen, hat man sie gärtnerisch und künstlerisch gestaltet. So ziert etwa den sogenannten Shell-Kreisel an der Ahrstraße/Ecke Siebengebirgsstraße seit 2006 eine Metallskulptur, den der Hürther Kulturpreisträger Willi Laschet entworfen und den der Mineralölkonzern angefertigt hat.

Besonders sehenswerte Ausflugsziele in der näheren Umgebung Wesselings sind die Städte Bonn und Köln:

Bonn

Bonn war bis 1990 provisorische Bundeshauptstadt und nennt sich heute Bundesstadt. Ein Spaziergang durch das ehemalige Regierungsviertel erinnert noch heute an die einst glanzvolle Zeit des am Rhein gelegenen Ortes, als sich hier gekrönte und ungekrönte Staatsoberhäupter trafen und die nationale und internationale Politik gestalteten. Mit rund 319.000 Einwohnern zählt Bonn zu den 20 größten Städten Deutschlands.

Von dem Schock über die Entscheidung, im Zuge der deutsch-deutschen Wiedervereinigung den Regierungssitz nach Berlin zu verlegen, hat sich die Stadt mittlerweile gut erholt. Nach und nach siedelten sich immer mehr UN-Institutionen am Ort an, und die Deutsche Telekom errichtete hier ihr Standbein. Unübersehbar ist auch der 162,5 Meter hohe Post Tower, die Zentrale des Logistikunternehmens der Deutschen Post DHL.

Darüber hinaus ist Bonn ein internationaler Forschungs- und Wissenschaftsstandort. An der prunkvollen Rheinischen-Friedrich-Wilhelms-Universität sind mittlerweile gut 35.600 Studenten eingeschrieben, zahlreiche Konferenzen finden im Wissenschaftszentrum statt und diverse in Bonn verbliebene Bundeseinrichtungen befassen sich mit Forschungsthemen.

Auch auf kulturellem Gebiet hat die Stadt viel zu bieten. 1770 erblickte der Komponist Ludwig van Beethoven in der Bonngasse 20 das Licht der Welt. Sein Geburtshaus befindet sich in der heutigen Fußgängerzone und steht für Besichtigungen offen. Ihm zu Ehren richtet Bonn jährlich im September ein großes Fest mit vielen Konzerten aus.

Die Bundesstadt punktet ferner mit ihrem südländischen Flair, den zahlreichen schmucken Gründerzeitvillen und ihrer Nähe zum Siebengebirge, das mit dem Drachenfels und dem Petersberg weit über die Grenzen des Ortes hinaus bekannt ist.

Köln

Mit seinen über eine Millionen Einwohnern und seinen Highlights der Spitzenklasse versprüht Köln einmaliges Großstadtfeeling. Bereits beim Verlassen des Hauptbahnhofs verschlägt es dem Besucher beim Anblick des 157,38 Meter hohen Doms den Atem. Das weltweit zu den größten Kathedralen zählende Bauwerk ist im gotischen Stil errichtet, hat zwei Türme und ist seit 1996 UNESCO-Weltkulturerbe.

In unmittelbarer Nähe des Doms befindet sich das Museum Ludwig, in dem Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts ausgestellt ist, sowie das Römisch-Germanische Museum. Wer sich nach dem kulturellen Besichtigungsauftakt mit Speise und Trank stärken möchte, findet an der Domplatte gleich mehrere Brauereien, die das für die Stadt typische Kölsch-Bier ausschenken und deftige Küche wie „Halver Hahn“ (Käsebrötchen) servieren.

Vom Dom aus gelangt man unmittelbar in die Fußgängerzone, die das reinste Einkaufsparadies ist. Als die beliebteste Shoppingmeile gilt die Schildergasse, an deren Ende man auf der Hohe Straße weiterbummeln kann.

Köln am Rhein ist eine Wirtschaftsmetropole von internationalem Rang und Standort von unzähligen Verbänden und Medienunternehmen. Millionen von Besuchern strömen jedes Jahr in die viertgrößte Stadt Deutschlands, um an Kongressen auf dem riesigen Messegelände teilzunehmen oder in der Lanxess Arena die Auftritte von weltweit bekannten Showgrößen zu genießen.

Viele kommen auch in der sogenannten fünften Jahreszeit in die Karnevalshochburg Köln, wenn die Narren auf den Straßen tanzen und sich „Bützchen“ (Küsschen) auf die Wangen geben.

Die Domstadt bietet Hunderttausenden von Beschäftigten einen Arbeitsplatz. Da die Mieten in der Metropole verhältnismäßig hoch sind, verschlägt es viele Menschen zum Wohnen in die Vororte, so auch nach Wesseling.

Fazit: Wesseling – klein, aber oho!

Wesseling ist eine Stadt der Gegensätze, denn hier treffen Tradition und Moderne aufeinander, Gemütlichkeit und hektische Betriebsamkeit. Den großen Industrieanlangen, die am Ort ansässig sind, haben die Menschen viel zu verdanken. Dort finden sie eine regelmäßige Beschäftigung, die ihren Lebensunterhalt und Wohlstand sichert. Dennoch fühlt es sich für viele Wesselinger auch wie ein Leben auf dem Vulkan an, denn die chemischen Werke verarbeiten teils hochgiftige und leicht entzündliche Produkte.

Umgekehrt sind sich die Unternehmen ihrer Verantwortung bewusst und suchen den engen Kontakt zu den Anwohnern. Insbesondere die „Shell Oil Deutschland GmbH“ zeigt großes Verständnis für die Sorgen der Wesselinger und bringt sich mit diversen unterstützenden Aktivitäten in das Gemeindeleben mit ein. So hat der Konzern zusammen mit einigen anderen Werksbetreibern eine „Nachbarschafts-“Infobroschüre herausgebracht, in der sie den Bürgern ausführlich und transparent die im Einsatz befindlichen Stoffe erklären und über Verhaltensregeln bei potenziellen Pannen unterrichten.

Das Zusammenleben zwischen der Großindustrie und den traditionsbewussten Wesselingern währt nun schon seit zig Jahrzehnten und funktioniert trotz der unterschiedlichen Welten sehr gut, denn beide Seiten profitieren letztendlich von der ungleichen Symbiose globaler Konzerngiganten und idyllischer Beschaulichkeit.

Quellenangaben:

Bewertungen für Deutschland-Monteurzimmer.de
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zuletzt aktualisiert: 08.11.2017

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