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Die Geschichte der Firma Degussa in Wesseling

Wesseling, zentral zwischen Köln und Bonn gelegen, ist ein bedeutender Industriestandort, als dessen größter Arbeitgeber die chemische Industrie fungiert. Schell ist in der 36.000 Einwohner zählenden Kleinstadt ebenso vertreten wie Lyondell-Basell und Evonik Industries. Allein Evonik erzeugt, verkauft und versendet pro Jahr 600.000 Tonnen Chemieprodukte. Das 330.000 Quadratmeter große Gelände dieses traditionsreichen Werks beherbergt vierzehn Produktionsanlagen unterschiedlichster Geschäftsbereiche, ein Forschungs- und Entwicklungszentrum für Silica und zahlreiche andere Einrichtungen und ist damit einer der größten Produktionsstätten der Evonik Industries AG. Was diesen Standort zu dem gemacht hat, was er heute ist, und welchen Stellenwert die Deutsche Gold- und Silber-Scheideanstalt (Degussa) dabei einnimmt, erfahren Sie hier.

Wesseling – von der Gutsherrschaft zum Industriestandort

Archäologische Funde weisen darauf hin, dass es bereits um 1200 bis 1100 v. Chr. menschliche Siedlungen im Bereich des heutigen Wesseling gab. Jungsteinzeitliche Beile aus der Zeit um 400 bis 200 v. Chr. konnten in Wesseling, Keldenich, Berzdorf und Urfeld geborgen werden. Die Ausgrabung eines römischen Landhauses belegt das Vorhandensein römischer Ansiedlungen in dieser Region. Fränkische Grabfelder aus dem 6. bis 8. Jahrhundert n. Chr. geben einen Hinweis auf eine Besiedelung durch die Franken.

Der Ortsname Wesseling lässt sich auf eine Gutsherrschaft namens „Waslicia“ zurückführen, die 820 n. Chr. an das Kloster Montfaucon überschrieben wurde. Die Bezeichnung „Oberwesseling“ findet sich erstmals in Dokumenten aus dem Jahr 1238 als „Weslic superior“. Die alten Namen „Waslicia“ und „Weslic“ entstammen dem Begriff „Waslic“, der wahrscheinlich auf „Was(i)liacum“, die Siedlung eines „Was(i)lio“, zurückzuführen ist.

Bis zur Industrialisierung blieb der Ort zwischen Bonn und Köln eher unbedeutend. Um 1700 gab hier es lediglich eine Gespannwechselstelle der Treidelschifffahrt. Erst 1793 ließ sich ein Gerbereibetrieb als Vorbote des kommenden Industriezeitalters in Wesseling nieder. Das „Haus Ruttmann“ gehörte zur 1994 durch H. Krings und J. Werotte gegründeten Sohllederfabrik, die sich im Laufe der Jahre zu einer der renommiertesten Gerbereien zwischen Mosel und Rhein entwickelte. Die wirkliche Industrialisierung setzte in Wesseling jedoch erst ein, als die Brüder Heinrich und Franz Zimmermann im Jahr 1880 die Chemische Fabrik Wesseling gründeten.

Von der Chemische Fabrik Wesseling AG zur Degussa

Degussa Firmengelände

Obwohl die Standortgeschichte des Degussa-Werks in Wesseling am Rhein bis ins Jahr 1880 zurückreicht, war der Gründergedanke sehr modern und innovativ. Die Basis für den heutigen Industriestandort bildete eine Recycling-Idee des deutschen Chemikers Heinrich Zimmermann. Aus dessen Forschungsarbeit stammte ein Verfahren, das dazu diente, aus bis dahin unverwertbarer Gasreinigungsmasse cyanidhaltige Salze wie Ferrocyankalium zu gewinnen.

Bei der Gasreinigungsmasse handelte es sich um ein Abfallprodukt, dass bei der Herstellung des für die Straßenlaternen benötigten Leuchtgases entstand. Für die industrielle Nutzung seiner neuen Methode suchte Zimmermann ein geeignetes Fabrikgelände, das er im zwischen Köln und Bonn am Rhein gelegenen Wesseling fand. Am 29. Mai 1880 stellte er gemeinsam mit seinem Bruder Franz ein Konzessionsgesuch zum Bau einer Fabrik für die Anfertigung chemischer Präparate auf dem Grundstück einer ehemaligen Papierfabrik, in der die Firma Heymann und Sohn zwischen 1876 und 1880 Stroh- und Packpapier hergestellt hatte. Der Eintrag der neuen Fabrik ins Handelsregister des Amtsgerichts Bonn erfolgte am 1. Juni 1880 unter dem Firmennamen H. & F. Zimmermann. Nach zahlreichen Einwendungen der Anwohner und auf Grundlage von Gutachten wurde die Konzession am 3. Januar 1881 unter der Auflage verfügt, dass die Gasreinigungsmassen unter Dach gelagert werden müssten.

1883 erwarben die Brüder das am nördlichen Ortsausgang befindliche Grundstück am Sandberg und verbrachten bis 1893 den gesamten Betrieb auf dieses Gelände. Nach 1893 expandierte das Unternehmen, nachdem Josef Zimmermann, der Sohn Heinrich Zimmermanns, nach dessen Tod in die Firmenleitung eingestiegen war. Bis 1900 wurden die Fabrikanlagen um ein Lager, Laboratorien, Verwaltungsgebäude sowie um Kamin- und Kesselgebäude erweitert. Im Jahr 1901 folgte der Bau einer Schwefelsäurefabrik auf einem knapp neun Hektar großen Gelände zwischen Rhein und Landstraße, die fortan aus dem Abfall der Farbenproduktion Schwefelsäure nach dem Bleikammerverfahren produzierte.

Degussa Firmengelände

Das innovative Verfahren der Zimmermann-Brüder zur Gewinnung von Ferrocyankalium war für die damalige Gold- und Silber-Scheideanstalt, die später unter dem Namen Degussa bekannt werden sollte, von großem Interesse. War doch das Ferrocyankalium ein wichtiges Ausgangsprodukt für die Edelmetallscheidung, die zu jener Zeit das Kerngeschäft des Frankfurter Unternehmens bildete. Als sich die Brüder Zimmermann im Jahr 1905 mit ihrem bislang größten Konkurrenten, der Firma L. Vossen & Co. in Neuß, vereinigten um die Chemische Fabrik Wesseling AG zu gründen, stieg die Scheideanstalt mit einem Anteil von 12 Prozent mit ein. 1909 waren in der Fabrik bereits 100 Menschen beschäftigt.

Mit dem Ersten Weltkrieg nahm die Nachfrage nach Ferrocyankalium ab, da die Geschäftsbeziehungen zu den Hauptkunden in den USA und England unterbrochen waren. Nach Ende des Krieges verlagerte sich das Kerngeschäft des Betriebes auf die Erzeugung von Schwefelsäure, Schwefel und Eisenpigmenten. 1940 übernahm die Degussa 51 Prozent des Aktienkapitals der Chemischen Fabrik Wesseling. 1943 setzte das Unternehmen eine Extraktionsanlage zur Schwefelgewinnung in Betrieb, in der Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter die kriegsbedingt fehlenden Arbeitskräfte ersetzten. Noch während des Zweiten Weltkriegs lief die Herstellung von Verstärkerfüllstoffen für die Gummiindustrie an.

Die Gebäude dieses Standorts waren nach Kriegsende noch weitgehend unzerstört, sodass die Produktion bereits ab 1947 mit teilweise neuen Erzeugnissen wie Schädlingsbekämpfungsmitteln auf Basis von Schwefel, Gasreinigungsmasse und Cyanid wieder aufgenommen wurde. 1959 übernahm die Degussa, die ihre Unternehmensanteile über die Jahre kontinuierlich gesteigert hatte, die Chemische Fabrik letztendlich ganz und machte daraus seine Zweitniederlassung Wesseling.

Degussa-Produkte am Standort Wesseling

Blausäure

Bereits 1952 hatte die Degussa in unmittelbarer Nähe der Chemischen Fabrik Wesseling ein eigenes Werk für die Herstellung von Blausäure errichtet. Beide Werke wurden 1980 organisatorisch zusammengefasst. Die in Wesseling erzeugte Blausäure dient auch heute noch als Ausgangsstoff für zahlreiche Evonik-Produkte, die sowohl in der kunststoffverarbeitenden und in der pharmazeutischen Industrie als auch in der Metallverarbeitung, bei der Produktion von Pflanzenschutzmitteln und in der Farbherstellung zum Einsatz kommen.

Silicate und Silica

Zusammen mit der Blausäure und den daraus erzeugten Produkten bildet der Bereich der Silikate und Silica den Mittelpunkt von Forschung und Produktion in Wesseling. Bei dieser Produktgruppe handelt es sich um chemische Universalstoffe, die aus Wasserglas hergestellt werden und in den unterschiedlichsten Lebensbereichen von Nutzen sind. So dienen sie als Verstärkerfüllstoffe für Kautschukprodukte wie Autoreifen, um deren Haltbarkeit zu erhöhen und ihren Energieverbrauch zu senken. Als Klär- und Absorptionsmittel kommen sie unter anderem bei der Bierherstellung zur Anwendung und als Füllstoffe in Druckfarben, Klebstoffen und Zahnpasten.

Degussa Chemiker Beruf

Darüber hinaus verbessern Silica das Fließverhalten von Pulvern wie Gewürzen oder Löschpulvern. Evonik Industries als Nachfolger von Degussa betreibt in Wesseling heute die weltgrößte Produktionsanlage von Silica und Silikaten. Zugleich ist dieser Standort ein Silica-Kompetenzzentrum für Forschung und Entwicklung.

Pionierarbeit auf diesem Gebiet hatte das Werk Wesseling bereits im Jahr 1951 mit der Erfindung einer weißen Kieselsäure namens Ultrasil geschaffen, für deren Entwicklung Hans Verbeek verantwortlich zeichnete. Ultrasil verfügte über ähnliche Eigenschaften wie der Füllstoff Aerosil, ließ sich jedoch wesentlich preiswerter herstellen. Zunächst für die Fertigung von Gummisohlen genutzt, fand Ultrasil schon bald Eingang in die Reifenindustrie, wo es die Herstellung der damals sehr gefragten und auch heute noch von einigen Liebhabern bevorzugten Weißwandreifen ermöglichte.

Methylmethacrylat

1964 lief im Degussa Werk in Wesseling außerdem eine Anlage zur Produktion von Methylmethacrylat (MMA) an. Aus diesem wird Polymethylmethacrylat (PMMA) hergestellt, das im Automobilbereich, in chemischen Dübeln und Betonverflüssigern, aber auch in der Lichtwerbung Anwendung findet. Weitere Einsatzgebiete sind Lärmschutzwände und Flachbildschirme, aber auch Solaranwendungen und Leichtbauteile. Ihre Aktivitäten in diesem Sektor übertrug die Degussa 1997 einer neuen, hundertprozentigen Tochtergesellschaft, der Agomer GmbH mit Firmensitz in Hanau-Wolfgang.

Methionin

1967 startete in Wesseling die Produktion von Methionin, einer schwefelhaltigen Aminosäure, deren Haupteinsatzbereich die Tierernährung ist. Bei der in den Nachkriegsjahren beginnenden Entwicklung der synthetischen Aminosäure knüpfte die Degussa AG an Erkenntnisse aus den frühen 1920er Jahren an. Bereits 1922 hatte J. H. Müller, ein Forscher der Columbia University in New York eine schwefelhaltige Aminosäure isoliert, jedoch eine falsche Summenformel angegeben. Diesen Fehler korrigierte drei Jahre später der japanische Forscher Odake, der dieser Aminosäure den Namen „Methionin“ gab.

Ursprünglich zur Behandlung der bei Kriegsheimkehrern häufigen Hungerödeme gedacht, zog Methionin schon bald in den Sektor der Tiernahrung ein, nachdem ein Fütterungsversuch mit Legehennen ergeben hatte, dass die Aminosäure die Legeleistung verbessert. 1953 wurde Methionin vom Landwirtschaftsministerium in Bonn für die Verwendung in Tierfutter zugelassen. Heute bietet Evonik Industries ein breites Sortiment an Aminosäuren für die Tierernährung, den Pharma- und den Nahrungsmittelsektor an.

Die Geschichte der Deutschen Gold- und Silber-Scheideanstalt

Degussa Geschichte

Der Chemiekonzern Evonik Industries besteht erst seit 2007, verfügt jedoch über vielseitige historische Wurzeln, die bis in die Anfänge der deutschen Industriegesellschaft zurückreichen. Zu den Vorgängergesellschaften des Unternehmens gehört neben der Goldschmied AG, der Hüls AG, der Röhm GmbH, der Stockhausen GmbH und der ehemaligen SKW Trostberg AG auch die Degussa AG, die mit der Chemische Fabrik Wesseling AG auch in der Kleinstadt am Rhein über einen Standort verfügte.

Erste Anfänge als Münzscheiderei

Die Geschichte der Degussa AG lässt sich bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurückverfolgen. Friedrich Ernst Roessler (1830 - 1883), der „Münzwardein“ der Frankfurter Münzprägeanstalt, richtete 1843 auf Wunsch der Stadt eine Edelmetallscheideanstalt im damaligen Münzgebäude ein. Hier wurden nicht mehr benötigte oder beschädigte Geldstücke in ihre Einzelbestandteile zerlegt, um das darin enthaltene Edelmetall zurückzugewinnen. Darüber hinaus ließ er nahe der Münze, auf dem heutigen Evonik-Gelände in der Bankenmetropole, ein chemisch-technisches Labor installieren, in dem Silbernitrat und Cyansalze, die Nebenprodukte der zu jener Zeit gebräuchlichen Schwefelsäurescheidung verarbeitet wurden. Cyankalium wurde zum Beispiel für die Galvanotechnik und später auch für die Goldlaugung benötigt.

Nachdem Frankfurt infolge des preußisch-österreichischen Krieges im Jahr 1866 seine politische Selbstständigkeit verlor und unter preußische Herrschaft gelangte, wurde Roessler preußischer Beamter und musste sich daher aus dem privatwirtschaftlichen Scheidegeschäft zurückziehen. Der Scheidereibetrieb ging an seine ältesten Söhne Heinrich und Hector über, beide studierte Chemiker. Die beiden verlegten die Scheideanstalt in das Labor und führten die zwei Geschäftszweige fortan unter dem Firmennamen Friedrich Roessler Söhne weiter.

Die Scheideanstalt wird zur Aktengesellschaft

Nach Gründung des Deutschen Reiches im Jahr 1871 waren nur noch Mark und Pfennig als Zahlungsmittel zugelassen. Die Münzen der einstigen deutschen Kleinstaaten, beispielsweise der süddeutsche Gulden, wurden obsolet und aus dem Verkehr gezogen. Um genügend Material für die Prägung der neuen Währung zu haben, musste zunächst aus dem alten Geld das Edelmetall zurückgewonnen werden. Die Firma Friedrich Roessler Söhne verfügte über ausreichende technische Kapazitäten, um die umfangreiche Mengen an Münzen zu verarbeiten. Allerdings fehlte es ihnen an Kapital, um die von der Reichsregierung verlangten hohen Sicherheitsleistungen zu erbringen. Der Ausweg aus diesem Dilemma bestand in der Umwandlung der Scheideanstalt in eine Aktiengesellschaft, die im Januar 1873 vollzogen wurde. Das Startkapital betrug 1,2 Millionen Goldmark.

Degussa Firmengelände

Als Gründer der AG Deutsche Gold- und Silber-Scheideanstalt vormals Roessler fungierten mehrere Banken. Heinrich und Hector Roessler waren die ersten Direktoren. Aufgrund des umständlich langen Firmennamens wurde das neue Unternehmen jahrzehntelang nur als „Scheideanstalt“ bezeichnet. Ab den 1930er Jahren kam zunehmend die Kurzbezeichnung Degussa auf, ein Kurzwort, das als Telegrafenadresse für die Firma diente.

Erweiterung alter und Expansion in neue Geschäftsfelder

Bis zum Abschluss der Münzreform in den Jahren 1878/79 war das Auskommen des Unternehmens durch die Verträge mit der Regierung gesichert. Währenddessen hatten zwei weitere Söhne von Friedrich Ernst Roessler Niederlassungen in Berlin und Wien eröffnet, sodass Hector und Heinrich schnell Ersatz für die auslaufenden Regierungsverträge finden mussten, um diese Geschäfte halten zu können. Von jetzt an verlief die Entwicklung der Degussa in unterschiedliche, sich zum Teil überschneidende Richtungen.

Zunächst perfektionierte und monopolisierte das Unternehmen die Herstellung von Glanzgold, das sich zur feuerfesten Dekoration von Porzellan, Glas und Email verwenden lässt. Damit ließ sich in der Zeit des viktorianischen Stils sehr viel Geld verdienen. Zudem führte diese Innovation 1885 zur Gründung einer neuen Filiale in den USA, die sich praktisch komplett im Besitz der Degussa befand. Unter dem Namen Roessler und Hasslacher brachte sie einen Großteil des Kapitals ein, das für die Expansion der Verarbeitung von gold-, silber-, kupfer- und bleihaltigen Erzen benötigt wurde. Hieraus resultierten neue Investitionen in eine in Hoboken ansässige belgische Fabrik im Jahr 1887 sowie in die in Hamburg befindliche Norddeutsche Affinierie in Hamburg kurz vor dem Ersten Weltkrieg.

1898 gründete die Deutsche Gold- und Silber-Scheideanstalt außerdem zusammen mit einem englischen Partner die Electro-Chemische Fabrik Natrium GmbH. Diese stellte Natrium her, das die Degussa für die Produktion von Cyansalzen benötigte. 1919 erwarb die Degussa überdies das in Pforzheim ansässige Edelmetallunternehmen Dr. Richter & Co und begann mit der Erzeugung von Zwischenprodukten, vor allem Legierungen, für Zahnersatz und Schmuck. Dies führte dazu, dass die Degussa im Jahr 1905 in die in Hanau beheimatete Firma G. Siebert investierte und so ihrer Edelmetallpalette noch Platin hinzufügte. Darüber hinaus expandierte das Unternehmen in zahlreiche weitere neue Bereiche, die weit über sein traditionelles Tätigkeitsfeld hinausgingen, z. B. in die Produktion von keramischen Farben, Steingut sowie Öfen.

Die zweite große Entwicklungslinie nahm ihren Anfang ebenfalls in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts. Zunächst wurde der Vorstand um zwei Kaufleute erweitert, die nicht Teil der Roessler-Familie waren. Das Novum bestand darin, dass die Degussa zahlreichen Herstellern chemischer Spezialprodukte ihre Vertriebsdienste anbot. Ab 1890er Jahren errang das Unternehmen lukrative Kommissionen sowohl für die Vertretung von deutschen Beteiligten an etlichen internationalen Kartellen, z. B. für verschiedene Säuren, Chinin und Cyanide, als auch mit der Koordination des Verkaufs und Vertriebs vieler kleiner Firmen.

Degussa Firmengelände

1930/31 erwarb die Degussa die Holzverkohlungs-Industrie AG (HIAG) in Konstanz und den Verein für Chemische Industrie in Mainz, die Holzkohle und weitere Produkte auf Holzbasis wie Holzessig, Kreosot, Aceton, Methanol und Formaldehyd herstellten. Auf diese Weise kamen zahlreiche organische Chemieprodukte, darunter auch Methanol und Acrolein in das Unternehmen. Im Jahr 1932 kaufte die Degussa überdies eine Flammrußfabrik in Kalscheuren bei Köln und stieg damit in das Geschäftsfeld der Industrieruße ein.

Die Degussa in Zeiten des Nationalsozialismus

Nach Ende des Ersten Weltkriegs gingen der Deutschen Gold- und Silber-Scheideanstalt alle ausländischen Beteiligungen verloren. Damit büßte sie vorübergehend stark an Wert ein. Im Jahr 1930 übernahm Ernst Busemann, ein erfahrener Kaufmann, das neu geschaffene Amt des Vorstandsvorsitzenden. Unter seiner bis 1939 dauernden Leitung investierte das Unternehmen vermehrt in Sachwerte, kaufte neue Firmen auf, erweiterte Anlagen und vergrößerte Beteiligungen. Dank dieser Unternehmenspolitik brachte die Degussa die Inflation und die Weltwirtschaftskrise weitgehend unbeschadet hinter sich.

Dass das Unternehmen verwundbar blieb, zeigt sich insbesondere daran, dass es eine Beteiligung der I. G. Farbenindustrie AG an verschiedenen Unternehmungen (z. B. Österreichische Chemische Werke, Degesch) zulassen musste. Zu Beginn der 1930er Jahre war die I.G. Farben ein großer, nahezu erdrückender Konkurrent. Zudem war die Degussa bis 1934 massiv von der Firma Henkel abhängig. Die Düsseldorfer Firma bezog in großem Maße Natriumperborat, einen Waschmittelzusatz. Einen bedeutenden Einfluss auf die weitere Entwicklung von Degussa hatte auch die von den Nationalsozialisten ab 1933 aufgebaute „gelenkte Marktwirtschaft“ mit den vom Staat vorgegebenen Zielen „Arisierung“, Autarkie und Aufrüstung. Die Verantwortlichen der Deutschen Gold- und Silber-Scheideanstalt gingen davon aus, dass Unternehmen könne nicht mehr erfolgreich arbeiten, wenn diese Vorgaben nicht erfüllt würden.

Degussa und NSDAP

Zur Zeit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten im Januar 1933 war keiner der neun Degussa-Vorstände Mitglied der NSDAP. Es gab jedoch durchaus Parteimitglieder in der mittleren Leitungsebene. Vorstand und Aufsichtsrat kümmerten sich zunächst wenig um die Partei. Da sie jedoch das künftige Wachstum der Degussa gefährdet sahen, arrangierten sie sich zunehmend mit der neuen Regierung. Dabei folgten sie der durch den Vorstandsvorsitzenden Ernst Busemann im Jahr 1937 ausgegebenen Devise: „Es hat keinen Sinn, gegen den Strom zu schwimmen.“

Das Arrangement sah vor, dass ein Vorstandsmitglied offiziell Parteimitglied werden sollte. Ausgewählt wurde zunächst Hermann Schlosser, der während des Ersten Weltkriegs als Soldat gekämpft hatte und seit damals Frontkämpfertum, Treue und Pflicht romantisierte wie viele seiner Zeitgenossen. Da Schlosser Freimaurer war, lehnte die NSDAP 1933 seinen Antrag jedoch ab. Erst 1939, als er nach Busemanns Tod dessen Posten als Vorstandsvorsitzender übernahm, erfolgte die Aufnahme in die Partei per Gnadenerlass. Die politische Einstellung der Degussa-Entscheidungsträger zwischen 1933 und 1945 reichte von großbürgerlich-konservativ bis hin zu überzeugt nationalsozialistisch mit teilweise niedriger Parteinummer, die ein gewisses Statussymbol darstellte. Die sechs jüdischen Aufsichtsratsmitglieder hatten die Wahl, ihren Posten direkt aufzugeben oder nach Ende ihrer Amtszeit auszuscheiden. Der letzte von ihnen, der Aufsichtsratsvorsitzende der Metallgesellschaft, Richard Merton, ging 1938.

Die Degussa und die Vertreter der Regierung arbeiteten weitgehend, wenn auch nicht immer, spannungsfrei zusammen. Die Bereitschaft zur Kooperation, gepaart mit taktischer Voraussicht, half dem Unternehmen neben einigen glücklichen Zufällen, sich der indirekten Kontrolle durch Mitglieder der NSDAP in der Führungsetage und auf Mitarbeiterebene zu entziehen.

Arisierungen

Die Zusammenarbeit mit den Nationalsozialisten umfasste auch die „Arisierungen“, das heißt, den Übergang jüdischer Besitztümer an „rein deutsche“ Personen und Unternehmen. Die Degussa übernahm insgesamt zehn Unternehmen, davon sieben in Deutschland und drei im Protektorat Böhmen und Mähren, sowie drei Beteiligungen. Des Weiteren erwarb sie vier umfangreiche Aktienpakete und zehn Grundstücke in Köln, Frankfurt, Hamburg, Berlin, Prag und Wien. Zuletzt kaufe Sie im August 1944 ein beschlagnahmtes Patent. Am frühesten „arisiert“ wurden die Pharmafirma Chemisch-Pharmazeutische Werke Bad Homburg AG in Frankfurt, das Bonner Unternehmen Dr. L. C. Marquart sowie die Berliner Degea AG, die spätere Auergesellschaft.

Degussa Firmengelände

Insgesamt folgten die Übernahmen durch die Degussa einem zeitlichen Muster. Die ersten „Arisierungen“ geschahen im großen Ganzen frei von Druck. Meist handelte es sich bei den Verkäufern um langjährige Geschäftspartner, die bereits 1933 von sich aus Kontakt aufnahmen, als ihre Lage infolge von Repressalien seitens staatlicher Organe und der NSDAP aussichtslos geworden war. Die Degussa bot ihnen Preise an, die als kaufmännisch „fair“ zu bezeichnen sind. Die Firma Dr. L. C. Marquart durfte mit Erlaubnis der Kreisleitung auch weiterhin jüdische Angestellte beschäftigen, da deren Know-how unverzichtbar war. Ab 1938 kam es jedoch auch zu herzlosen Übernahmen, bei denen ausschließlich eigene Interessen eine Rolle spielten.

Autarkie und Aufrüstung

Nach 1935 fußte der wirtschaftliche Aufschwung in Deutschland vor allem auf Rüstung und Autarkie. Letzte sollte dem Dritten Reich zur weitgehenden Unabhängigkeit von Importen verhelfen. Ab 1938 war die Degussa, wie zahlreiche andere Unternehmen, vollständig in das nationalsozialistische Wirtschaftssystem integriert. Ihre Manager durften nur noch begrenzt freie Entscheidungen treffen. Bei Bedarf lenkte das Regime sie mit einer Mischung aus Anreizen und Druck. Es trieb die Produktion voran, dirigierte die Ressourcen und schuf neue Absatzmärkte. Der Spielraum der Degussa-Leitung wurde immer kleiner, was sich besonders im Geschäftsfeld Aktivruß zeigte. Als Hauptbestandteil strapazierfähiger Gummireifen erfreute dieser sich eines großen Interesses bei den Nationalsozialisten, zumal das Erzeugnis ihren Autarkieplänen entgegenkam.

Das Reichswirtschaftsministerium drängte die Degussa dazu, in der 1932 übernommenen Flammrußfabrik in Kalscheuren an Möglichkeiten zur Produktion eines aktiven Gasrußes zu forschen, um mit den in diesem Bereich marktführenden USA konkurrieren zu können. Nachdem dies im Jahr 1934 gelungen war, versuchte das Regime umgehend, Einfluss auf das Ausmaß und die Entwicklung dieses Geschäftsfeldes zu nehmen. Obwohl die Degussa kein großes Interesse an der Ausweitung ihres Gasrußbereichs und an einer Beteiligung in der Reifenindustrie hatte, unterwarfen sich die Manager letztendlich diesem Willen.

Noch stärker in die Abhängigkeit begab sich die 1934 „arisierte“ Auergesellschaft in Berlin. Der Hersteller für Gasmasken hatte seit dem Ersten Weltkrieg bereits viele Militäraufträge angenommen und intensivierte die Verbindung ab 1933 noch weiter. Diese monostrukturelle Ausrichtung auf den Rüstungssektor führte sogar zu Konflikten mit der Muttergesellschaft in Frankfurt. Darüber hinaus waren noch etliche andere Produkte des Unternehmens in der Rüstungsindustrie einsetzbar. So wurde Acetoncyanhydrin für die Herstellung von Plexiglas benötigt, ein Erzeugnis der Darmstädter Firma Röhm und Haas, das beispielsweise beim Bau von Flugzeugkanzeln zum Einsatz kam. Natriummetall war ein Ausgangsstoff bei der Fabrikation von Flugzeugbenzin.

Degussa Firmengelände

Hitler erließ am 18. Oktober 1936 die Verordnung zur Durchführung des Vierjahresplans. Dieser Plan hatte zum Ziel, die Wirtschaft auf die Beschleunigung der Rüstung und die Autarkie auszurichten, da Deutschland aufgrund seiner Rohstoffabhängigkeit vom Ausland nicht fähig war, einen längeren Krieg zu führen. Die Anforderungen dieses Vierjahresplans führten dazu, dass der Degussa, der I.G. Farbenindustrie AG und vielen weiteren Unternehmen gegen Ende der dreißiger Jahre das Geld ausging. Der Staat forderte immer größere Investitionen, welche die Gewinnen zusammenschmelzen ließen.

Das Edelmetallgeschäft in der Nazizeit

Mit Übernahme der Macht durch die Nazis gestaltete sich das Edelmetallgeschäft der Degussa immer schleppender. Grund hierfür war die in diesem Zuge eingeführte Devisenbewirtschaftung. Die Reichsmark konnte kaum gewechselt werden und die Reichsbank hortete das Gold. Daher arbeiteten die Scheideanstalten bis zum Eintritt der sogenannten „Edelmetallaktion“ Ende 1938 weit unterhalb ihrer Kapazität. Nach der Reichspogromnacht am 9. November desselben Jahres entschied die Regierung, der jüdischen Bevölkerung alles Silber, Gold und Platin wegzunehmen. Die Juden mussten es als sogenanntes Sühnegeld in einen „Scherbenfonds“ einzahlen, aus dem die Beseitigung der Schäden der Novemberpogrome finanziert wurden. Insgesamt flossen der Staatskasse dadurch mehr als eine Milliarde Reichsmark zu.

Für die Ablieferung ihres Edelmetalls bei den staatlichen Pfandhäusern erhielten die Juden eine formale Entschädigung, die jedoch auf gesperrte Konten ging. Diese zog der Staat ein, sobald die ehemaligen Besitzer das Land verließen oder deportiert wurden. Die Pfandhäuser übergaben das Edelmetall an die Scheidereien, die es verarbeiten und veredelten und anschließend als Barren an die Reichsbank oder, auf Anordnung des Regimes, an andere Unternehmen lieferten. Dafür erhielten sie eine Scheidegebühr und einen geringen Gewinn. Die Degussa als bedeutendste Edelmetallscheiderei auf deutschem Boden bot der Reichsbank bessere Konditionen als ihre Mitbewerber und konnte sich damit zahlreiche Scheideaufträge sichern.

Bei der Ausraubung der jüdischen Bevölkerung in den von Deutschland besetzten Territorien zwischen 1940 und 1945 leistete die Degussa als einer der bedeutendsten Edelmetallverarbeiter dem Regime ebenfalls gute Dienste. Die Herkunft der Edelmetalle war den Verantwortlichen egal und das Unternehmen arbeitete sehr gewinnorientiert. Die Berliner Niederlassung wurde direkt aus dem Ghetto Łódź mit Dentalgold beliefert. Zwar war das Anliefern und Verarbeiten von Zahngold nichts Außergewöhnliches, allerdings wies der Zustand der Lieferungen oftmals eindeutig auf deren Ursprung hin. Zum Teil waren die Lieferungen auch schon in geschmolzenem Zustand, um Dieben während des Transports den Zugriff zu erschweren.

Degussa Firmengelände

Schnelle Gewinne waren nicht der einzige Grund für die Degussa, sich an der Ausplünderung der Juden zu beteiligen. Zum einen erwartete sie dadurch Folgeaufträge und zum anderen spielte auch die Furcht vor Sanktionen eine Rolle, die eine Verweigerung unter Umständen nach sich gezogen hätte. Das Motto hieß in jener Zeit: „Tun wir es nicht, dann tut es ein anderer.“

Da die Degussa dem Regime die Mitarbeit nicht verweigerte, betraute dieses das Unternehmen mit einem Scheideauftrag, der deutlich größer war, als die vorherigen. Dieser nach 1940 einsetzende Auftrag umfasste sämtliche geraubten privaten und staatlichen Edelmetallbestände aus besetzten Ländern wie Frankreich und Belgien sowie aus allen im östlichen Europa von den Deutschen okkupierten Staaten.

Zwangsarbeiter in der Degussa

Von 1939 bis 1944 beschäftigte die Deutsche Gold- und Silber-Scheideanstalt Zivilarbeiter und Kriegsgefangene, aber auch Häftlinge aus Konzentrationslagern und Ghettos, die mehrheitlich von staatlichen Stellen vermittelt beziehungsweise zugewiesen wurden. Im Gegenzug erhielten diese Stellen einen Großteil des Lohnes. Die Produktionsmengen stiegen aufgrund des Krieges immer mehr an. Zugleich gab es wegen der Einberufungen immer weniger deutsche Arbeiter. Die Degussa versuchte zwar, Frauen einzustellen, diese durften jedoch keine gefährlichen Arbeiten übernehmen. Als bereits fünfzig Prozent der deutschen Frauen einer Berufstätigkeit nachgingen, untersagte das Regime weitere Einstellungen, da es ein Sinken der Moral in der Heimat, aber auch an der Front, fürchtete. Zudem litt die Qualität der Produkte am Einsatz fachlich unzureichend ausgebildeter Mitarbeiterinnen, während gleichzeitig die Kosten stiegen. Dies lag nicht zuletzt an den vielen von oben her verordneten Überstunden.

Die Zwangsarbeiter, bei denen es sich größtenteils um polnische und französische Kriegsgefangene handelte, erwiesen sich für die Degussa als nicht wesentlich billiger als reguläre Angestellte. Zusätzliche Kosten verursachten insbesondere die Unterbringung, die Verpflegung sowie die Überwachung. Der einzige tatsächliche Vorteil bestand darin, dass für diese Beschäftigten keine Sozialabgaben anfielen.

Die Zahl der Zwangsarbeiter war nicht konstant. Sie schwankte teilweise erheblich, da immer wieder Kontingente abgezogen wurden. Ab 1942 mussten vor allem russische Kriegsgefangene sowie aus dem Osten Verschleppte Zwangsdienste in deutschen Unternehmen leisten. Der Staat sicherte sich damit eine zusätzliche Einnahmequelle, indem er mehr als die Hälfte des sowieso schon geringen Verdienstes einzog. Für sogenannte Ostarbeiter war außerdem eine spezielle Abgabe zu zahlen.

Die großen Werke der Degussa beschäftigten Zwangsarbeiter in ähnlichem Umfang wie die meisten deutschen Industrieunternehmen. In den kleinen Degussa-Betrieben war ihre Anzahl an der Gesamtbelegschaft vergleichsweise höher. Im Jahr 1943 waren rund ein Viertel des Personalbestandes Zwangsarbeiter. Bis 1944 stieg ihr Anteil auf mehr als ein Drittel. Dennoch wurde der Personalbedarf der Degussa durch die zugewiesenen Arbeiter nicht gedeckt. Es waren insgesamt nicht ausreichend Zwangsarbeiter verfügbar, und da das Unternehmen keine „kriegsentscheidende“ Produktion aufzuweisen hatte, erhielt es oftmals weniger Arbeitskräfte als angefordert.

Die Erhöhung der Arbeitszeit für die Gesamtbelegschaft auf wöchentlich 60 Stunden konnte diesen Mangel nicht ausgleichen. Zudem war es den Betriebsleitern der Degussa nicht unbedingt Recht, dass die Zwangsarbeiter häufig Einblicke in die technischen Abläufe und geheime Betriebsverfahren bekamen. Allerdings blieb ihnen nichts anderes übrig, als diese Bedenken zugunsten der wehrwirtschaftlichen Produktion zu ignorieren. Da die Wehrmacht immer mehr Niederlagen erlitt, wurde auch die Zahl der Verschleppten und zusätzlicher Zwangsarbeiter zunehmend geringer. Viele Zwangsrekrutierte aus dem Westen, darunter Belgier, Franzosen und Niederländer, setzten sich über die Grenze ab, sobald sich ihnen eine Gelegenheit bot.

Wie die Zwangsarbeiter behandelt wurden, richtete sich nach dem Rang ihrer Nationalität in der Rassenideologie der Nationalsozialisten. Viele kamen zunächst in Pensionen oder Gaststätten unter, später zunehmend in Lagern. Eine deutliche Verschlechterung für alle Zwangsarbeiter trat im Winter 1943 mit der Niederlage der Wehrmacht bei Stalingrad ein. Die Lager glichen jetzt Gefängnissen mit Ausgangssperre. Disziplinierungsmaßnahmen waren an der Tagesordnung.

Degussa Firmengelände

Noch schlechter erging es jenen, die in Konzentrationslagern und Ghettos rekrutiert wurden. Solche Arbeiter setzte die Degussa in vier Fabriken im Osten Deutschlands ein: in den Werken der „arisierten“ Auergesellschaft in Guben und Oranienburg sowie auf den Baustellen der Neuen Fabriken in Gleiwitz in Oberschlesien und in Fürstenberg/Oder. Da es 1941 keine regulären Arbeiter und auch keine Zwangsarbeiter gab, aus denen ein Bautrupp hätte zusammengestellt werden können, hatte sich der Baubeginn dieser Werke erheblich verzögert. Deshalb gaben die Leiter der Projekte ihr Einverständnis, Menschen aus Ghettos und Konzentrationslagern einzusetzen. Die Arbeiter auf der Baustelle in Fürstenberg stammten aus dem Łódźer Ghetto und unterstanden der SS. An diese musste die Degussa nicht nur für die Verpflegung der Arbeiter zahlen, sondern auch für die Infrastruktur, die Unterkünfte und die Wachmannschaft. Wegen dieser Kosten und weil das Werk nie fertiggestellt wurde, blieben die anvisierten Gewinne aus.

Für die Auergesellschaft gibt es kaum Auskünfte bezüglich der Zwangsarbeitereinsätze, da ein Großteil der Akten kurz vor oder während des Einmarschs der Roten Armee in Berlin vernichtet wurde. Sicher ist, dass es sich um aus dem Osten stammende Zwangsarbeiter handelte, die unter sehr schlechten Bedingungen lebten. Einige von ihnen verloren in dem Betrieb ihr Leben, weitere wurden im Verlauf der schweren Luftangriffe auf Berlin im Jahr 1945 getötet.

In Gleiwitz, wo jüdische Frauen und Männer aus Auschwitz zum Einsatz kamen, führten die schweren Außenarbeiten ebenfalls zum Tod von Zwangsarbeitern. Ende 1944 wurde Gleiwitz zu einem Außenlager des Konzentrationslagers. Hieraus resultierte eine schärfere Bewachung der Arbeiter, andererseits wurde die Versorgung mit Nahrungsmitteln zumindest vorübergehend besser. Dafür drohte jenen, die ihre Arbeit nicht zufriedenstellend ausführten, die Deportation.

Insgesamt wird heute davon ausgegangen, dass die Degussa die Zwangsarbeiter, insbesondere jüdische KZ-Häftlinge nicht aus Kostengründen einsetzte, sondern weil keine anderen Arbeitskräfte verfügbar waren und sich das Unternehmen den Forderungen des Regimes bezüglich einer permanenten Erhöhung der Produktionsmengen nicht widersetzen wollte.

Degussa, Degesch und Zyklon B

Zwischen 1939 und 1945 kam das Pestizid Zyklon B vor allem bei der Begasung militärischer Vorräte und Unterkünfte, von Fahrzeugen, Schiffen, Uniformen oder für die Schädlingsbekämpfung in Zwangsarbeiterbaracken zur Anwendung. Etwa ein Prozent der hergestellten Menge dieser Substanz wurde jedoch durch die SS zur Tötung von rund einer Million Menschen, vornehmlich Juden, missbraucht.

Cyanwasserstoff, der wesentliche Bestandteil des Zyklon B, besser bekannt als Blausäure, kam erstmals gegen Ende des 19. Jahrhunderts bei der Begasung von Ungeziefer zum Einsatz. Der während des Ersten Weltkrieges gegründete Technische Ausschuss für Schädlingsbekämpfung, der direkt dem Kriegsministerium unterstand, entwickelte ein Blausäuregas, das die an der Front überhandnehmenden Läuse ausmerzen sollte, da diese zu schweren Krankheiten führen konnten. Aus diesem Ausschuss, der unter anderen Verfahren der Degussa nutzte, ging die 1919 ins Leben gerufene Deutsche Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung m.b.H, kurz Degesch, hervor, die ihren Sitz in Frankfurt hatte. Zunächst waren an dieser neben der Deutschen Gold- und Silber-Scheideanstalt noch zahlreiche weitere Firmen beteiligt, die dem Unternehmen ihre Anteile jedoch bis 1922 verkauften. Die Geschäftsführung der Degesch oblag Walter Heerdt, der im selben Jahr ein Verfahren zur Aufsaugung niedrig siedender Blausäure in Kieselkur fand und dem Produkt den Namen „Zyklon B“ gab. Schon kurz darauf verhandelte die Degesch mit der Dessauer Zuckerraffinerie GmbH hinsichtlich der Herstellung von Zyklon B. Die Behörden genehmigten die Produktion 1924.

Bis 1936 stellte das Dessauer Unternehmen den Stoff im Auftrag der Degussa im Alleingang her und lieferte es provisionsfrei an die Degesch aus. Die für die Erzeugung erforderliche Blausäure erhielt die Firma von der Dessauer Schlempe GmbH. Diese gewann die hochgiftige Substanz aus den Abfällen der Zuckerrübenverarbeitung. Der Stabilisator für das Gas stammte vom Uerdinger Werk der I.G. Farben, ein ebenfalls benötigter Warnstoff von der Firma Schering. Die Degussa kaufte den Dessauer Werken das fertige Produkt ab und verkaufte es provisionsfrei an die Degesch weiter. Als zweiter Hersteller für Zyklon B kamen im Jahr 1936 die Kaliwerke im tschechischen Kolin hinzu.

Um die Kosten niedrig zu halten vergab die Degesch ab 1925 die Vertriebs- und Anwendungsrechte für das Zyklon B an die Heerdt & Lingler GmbH (Heli) in Frankfurt und die Tesch & Stabenow GmbH (Testa) in Hamburg. Die Degesch hielt Beteiligungen an beiden Firmen, verkaufte ihre Anteile aber 1942 an die nach Unabhängigkeit strebende Testa. Beide Vertriebsunternehmen teilten sich den Markt, wobei die Elbe die Grenze darstellte. Darüber hinaus war die Testa der Exklusiv-Zulieferer für die SS und das deutsche Militär. Die Degesch fungierte als Verbindungsstelle zwischen Dessau und den Vertriebsfirmen und diente gleichzeitig als Abrechnungsstelle. Ihre Einnahmen resultierten aus Verkäufen und Dividenden ihrer Vertretungen sowie aus Direktexporten und ausländischen Lizenzen.

Degussa Firmengelände

Um sich auf dem Schädlingsbekämpfungsmarkt durchsetzen zu können, verkaufte die Degussa 1930 Anteile der Degesch an die I.G. Farbenindustrie AG (30 Prozent). Ab 1936 gehörte die Degesch zu jeweils 42,5 Prozent der I.G. Farben und der Degussa sowie zu 15 Prozent der Essener Th. Goldschmidt AG. Die Degesch vertrieb mittlerweile eine große Zahl von Pestiziden. Die Geschäftsführer entstammten nach wie vor der Degussa, die bis zum Kriegsende ihre Minderheitsbeteiligung von 42,5 Prozent beibehielt. Für die Deutsche Silber- und Gold-Scheideanstalt war die Degesch aufgrund ihrer verhältnismäßig geringen Betriebsgröße und Absatzmengen eher von geringerer Bedeutung. Bis 1938 stammten die Gewinne aus dem Zyklon B-Geschäft überwiegend aus dem Ausland. Nach Kriegsbeginn wurden SS und Wehrmacht zu Großkunden der Tesla, da nicht nur Soldatenunterkünfte, sondern auch die Baracken der Konzentrationslager von Ungeziefer befreit werden mussten.

Ob den Verantwortlichen der Degussa bekannt war, dass Zyklon B ab September 1941 für die Ermordung von Menschen verwendet wurde, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Nachweislich wusste Bruno Tesch, Geschäftsführer der Tesla, seit 1942 davon. Aufgrund der Beweise wurde er von den Briten angeklagt und am 16. Mai 1946 im Zuchthaus Hameln gehängt.

Dr. Gerhard Peters, der Geschäftsführer der Degesch, war während seiner gesamten Karriere eng mit dem Erzeugnis Zyklon B verbunden. Er war Mitglied der NSDAP und stellte sich öffentlich hinter die Ziele des Nationalsozialismus. Nachdem ihn der SS-Obersturmführer Kurt Gerstein darüber informiert hatte, dass mit dem Schädlingsbekämpfungsmittel Menschen getötet wurden, ließ er es dennoch weiter nach Auschwitz liefern. Keines der Mitglieder des Degussa-Vorstandes sagte jemals aus, von ihm über die Morde durch das Gas unterrichtet worden zu sein. Es gibt aber auch keine Unterlagen, welche diesen Vorwurf entkräften könnten. Peters wurde am 29. März 1949 wegen Beihilfe zum Totschlag zu einer fünfjährigen Zuchthausstrafe und drei Jahren Ehrverlust verurteilt. Am 27. Mai 1955 sprach ihn das Landgericht Frankfurt am Main von den Anschuldigungen frei. Er bekam jedoch keine Entschädigung für die Verfahrenskosten und die mehrjährige Untersuchungshaft.

Anhand der Verkaufsmengen lassen sich über die Mitschuld der Degussa keine schlüssigen Beweise finden, zumal nur Bruchteile des Zyklon B für die Ermordung von Menschen genutzt wurden. Des Weiteren wurde festgestellt, dass das Unternehmen keine übermäßigen Gewinne aus den Zyklonverkäufen oder der Dividende der Degesch erzielte. Unwahrscheinlich scheint indes, dass das Degussa-Management die Aktivitäten von Dr. Gerhard Peters in seiner Tätigkeit als Degesch-Geschäftsführers nicht kontrollierte. Bei dessen Prozess leistete ihm die Degussa Rechtshilfe durch ein Vorstandsmitglied. Darüber hinaus bot sie die Zahlung einer Kaution an, um ihm während der Berufungszeit die Haft zu ersparen und beschäftigte ihn in einem ihrer Werke. Vorstandsmitglieder der Degussa mussten sich nie vor Gericht verantworten. Sie durchliefen den üblichen Entnazifizierungsmaßnahmen, wurden als Mitläufer gewertet und kehrten gegen Ende der 1940er Jahre auf ihre Posten zurück. Die Öffentlichkeit brachte die Themen Degesch und Zyklon B durch die Nürnberger Prozesse lange zeit ausschließlich mit der I.G. Farbenindustrie AG in Verbindung.

Wiederaufbau und Neuanfang

Zum Ende des Krieges, im Mai 1945, stand die Produktion in fast allen Werken vorübergehend still. An manchen Standorten waren die Gebäude und Fertigungsanlagen bis zu 75 Prozent zerstört. Ausländische Unternehmen und Beteiligungen gingen verloren. Im Osten befindliche Anlagen wurden enteignet. Die Werke im Westen gerieten unter Treuhänderverwaltung und wurden zum Teil demontiert. Dennoch bot die breite Produktpalette der Deutschen Gold- und Silber-Scheideanstalt vielseitige Ansatzpunkte für den bald einsetzenden Wiederaufbau. Gute Voraussetzungen für den wirtschaftlichen Neubeginn schuf außerdem die Währungsreform am 20. Juni 1948. Noch im selben Jahr begann die Degussa, ihr Frankfurter Verwaltungsgebäude auf den noch vorhandenen alten Grundmauern neu aufzubauen.

Degussa und Internationalisierung

Im Jahr 1953 gründete die Degussa in Brasilien ihre erste Produktionsstätte außerhalb Deutschlands nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Auf einem Gelände nahe Sao Paulo entstand die Bragussa S.A., ein Betrieb zur Fertigung von Hilfsmitteln und Farben für die keramische Industrie sowie für edelmetallhaltige Salze und Bäder für die Oberflächenbehandlung. Mit der Produktion begann das Werk Mauá 1955. Zusammen mit anderen Tochtergesellschaften fusionierte das Unternehmen 1979 zur brasilianischen Degussa S.A. Darüber hinaus wurden in den 1950ern weltweit Vertriebsgesellschaften gegründet, um die Versorgung der Auslandsnachfrage sicherzustellen, unter anderem in Großbritannien, Frankreich, Mexiko, den USA, Südafrika und Argentinien.

Gegen Ende der 1960er Jahre reichten die in Deutschland vorhandenen Produktionskapazitäten für Blausäure, Cyanurchlorid, Natriumperborat und Aerosil nicht mehr aus. Deshalb errichtete die Degussa ein chemisches Großwerk im belgischen Antwerpen, dessen erste Produktionsanlagen 1970 in Betrieb gingen. Einige Jahre später, 1974, wurde mit den Arbeiten für ein großes Chemiewerk in Mobile/Alabama, USA, begonnen. Die 1977 in den Vereinigten Staaten gegründete Degussa Corporation avancierte zu größten Investitionsschwerpunkt des Unternehmens im Ausland.

Degussa Firmengelände

Nach Einführung strengerer Abgasrichtlinien in Japan und den USA lief im Werk Rheinfelden die Produktion von Abgas-Katalysatoren an. Die vormalige Deutsche Gold- und Silber-Scheideanstalt zählte mit ihren weltweiten Produktionsstätten zu den bedeutendsten Katalysatorenherstellern. Dieser Geschäftsbereich wurde im Jahr 2000 in die Degussa Metals Catalysts Cerdec AG (DMC² AG) ausgegliedert und schon bald verkauft.

Im Bereich der Industrieruße wurde die Degussa in den 1980ern unter anderem in den USA aktiv, wo sie die Rußwerke von Ashland Oil Inc. übernahm und in einer eigenen Gesellschaft namens Degussa Carbon Black Corporation zusammenfasste. Darüber hinaus kaufte sie die europäischen Rußwerke der in Bartlesville/Oklahoma ansässigen Phillips Petroleum Company. Damit gelangten Rußfabriken in Schweden, Frankreich, Italien und den Niederlanden in ihren Besitz.

Neuausrichtung in Asien

Infolge des wachsenden Einflusses Japans und des Erstarkens der südostasiatischen Wirtschaftsräume fühlte sich die Degussa veranlasst, nicht nur Vertriebsstätten in dieser Region aufzubauen, sondern auch Produktionsstätten und anwendungstechnische Zentren. Gemeinsam mit der Mitsubishi Metal Mining Co. Ldt. gründete sie 1966 in Japan die Nippon Aerosil Co. Ltd. mit Sitz in Tokio zur Erzeugung und für den Vertrieb von Aerosil. 1969 gesellte sich die ebenfalls in Tokio beheimatete Vertriebsgesellschaft Japan Co. Ltd. hinzu. Als Vertriebsgesellschaft für den gesamten Fernen Osten entstand 1974 in Hongkong die Degussa China Ltd. 1984 kam die gleichfalls in Hongkong ansässige Degussa Pacifc Ltd. hinzu. Außerdem entstanden Zweigbüros in Taipeh (Taiwan), Seoul ( Südkorea) sowie Shanghai, Shenzhen und Beijing (China).

Das erste deutsch-chinesische Joint-Venture im Bereich der Gummi- und Reifenruße erfolgte 1994 mit der Gründung von Degussa Chemical Company Ltd. in Qingdao. Im Februar 1999 fusionierten die Degussa AG und die VEBA-Tochter Hüls AG in Marls zur Degussa-Hüls AG mit Sitz in der Börsenmetropole Frankfurt am Main. Im Rahmen der Verschmelzung von VIAG und VEBA zur E.ON AG vollzog sich im Jahr 2001 die Übertragung der Degussa-Hüls und der VIAG-Tochter SKW Trostberg AG auf die Degussa AG in Düsseldorf.

Die Essener RAG Beteiligungs-AG erwarb in mehreren Schritten bis 2006 alle Anteile der Degussa AG, die hierauf in eine GmbH umfirmierte. Mit Umwandlung der RAG Beteiligungs-AG in die börsennotierte Evonik Industries AG im September 2007 gingen alle Geschäfte der einstigen Degussa GmbH auf dieses Unternehmen über.

Die Entwicklung von Evonik Industries

Die Geschichte von Evonik begann im Jahr 1968, als am 27. November in Essen auf Grundlage eines Bundesgesetzes die Ruhrkohle AG, ein Gemeinschaftsunternehmen des Ruhrbergbaus, ins Leben gerufen wurde. Diese Gesellschaft hatte anfangs rund 80 Prozent der Förderkapazität für Steinkohle auf bundesdeutschem Gebiet inne und übernahm innerhalb der folgenden Jahrzehnte auch die übrigen Steinkohlebergbauunternehmen. Trotz hoher staatlicher Subventionen schrumpften diese Bergbauaktivitäten im Rahmen von Rationalisierungsmaßnahmen aufgrund der mangelnden Wettbewerbsfähigkeit deutscher Kohle immer weiter zusammen. Hierbei gelang der Ruhrkohle AG ein sozialverträglicher Abbau von mehr als 600.000 Arbeitsplätzen.

Evonik Industries

Nicht subventioniert und zum Teil sehr ertragreich war Aktivitäten außerhalb dieses sogenannten „schwarzen Bereichs“, beispielsweise die Mehrheitsbeteiligung am Stromproduzenten Steag AG, am Chemiekonzern Rütgerswerke AG sowie an der Ruhrgas AG („weißer Bereich“). Zwischen dem weißen und dem schwarzen Bereich bestand ein „Haftungsverbund“. Das heißt: Der weiße Bereich haftete mit seinem gesamten Vermögen für alle Risiken des Bergbausektors. Zudem dienten die Erträge der Unternehmensaktivitäten außerhalb des Bergbaus dazu, die Subventionierungen für den Steinkohlesektor zu mindern. Die Aktionäre der Ruhrkohle AG, überwiegend Energie- und Montankonzerne, erhielten somit niemals eine Dividende.

Den veränderten Gewichten innerhalb des Unternehmens trug die Ruhrkohle AG in den 1990 Jahren mit einem Konzernumbau Rechnung. Zu Beginn des Jahres 1994 gab sie sich eine „unechte“ Holdingstruktur. Unecht aus dem Grund, weil die Muttergesellschaft Ruhrkohle AG die Steinkohleaktivitäten auch weiterhin direkt führte. Der eigentliche Beteiligungsbereich wurde dagegen in der RAG Beteiligungs-GmbH zusammengefasst, darunter die Rütgerswerke AG, die Steag AG sowie die neu gegründete RAG Immobilien AG. Zwei Jahre später wurde der Name Ruhrkohle AG durch die Abkürzung RAG AG ersetzt.

Ein immer schneller schrumpfender Bergbaubereich und die in der Öffentlichkeit und in der Politik schwindende Akzeptanz für Subventionslasten ließen nach Beginn des neuen Jahrtausends die Frage nach der Zukunftsfähigkeit der RAG auftauchen. Nach Berücksichtigung aller Handlungsalternativen wurde im Jahr 2002 der anstehende Umbau des Konzerns wie folgt strukturiert:

  • Rückzug aus dem Steinkohlenbergbau,
  • privatwirtschaftliche Finanzierung von sogenannten „Ewigkeitslasten“ nach Ende des aktiven Bergbaus,
  • Verringerung bzw. das Ende staatlicher Subventionierungen und
  • Schaffen einer neuen industriellen Basis innerhalb eines eigenen Industriekonzerns, in welchen der gesamte weiße Bereich eingebracht wird.

Die Umstrukturierung nahm ihren Anfang, nach dem die E.ON AG, einer der wesentlichen Anteilseigner der RAG AG, Interesse an der Ruhrgas-Beteiligung der RAG bekundete und diese im Jahr 2003 übernahm. Im Gegenzug erhielt die RAG circa 46,5 Prozent des bis dahin weitgehend in E.ON-Besitz befindlichen Spezialchemiekonzerns Degussa AG. Noch im gleichen Jahr fasste die RAG den Beschluss, die Degussa zum Mittelpunkt ihrer zukünftigen Industrieaktivitäten auszubauen. Am 1. Januar 2004 und am 17. März 2006 übernahm sie insgesamt weitere circa 46,5 Prozent der Degussa von E.ON. Am 14. September 2006, nach Abfindung der restlichen Minderheitsaktionäre, ging die Degussa letztendlich komplett an die RAG über. Diese hatte sich, um die Finanzierung stemmen zu können, zwischen 2003 und 2005 von 280 Unternehmen mit einem Gesamtumsatz von etwa 4,5 Milliarden Euro getrennt und im Jahr 2006 außerdem den Degussa-Bauchemiesektor abgegeben.

Die neu erworbene Degussa AG gliederte die RAG, wie schon zuvor die verbliebenen Tochtergesellschaften RAG Immobilien AG und Steag AG, in die RAG Beteiligungs-GmbH ein, die ab Oktober 2006 als Aktiengesellschaft firmierte. Im Jahr 2007 wurde aus der RAG Beteiligungs-AG letztendlich Evonik Industries mit ihren drei Geschäftsfeldern Energie, Chemie und Immobilien. Die Degussa AG wurde von der Börse genommen. Am 2. Januar 2007 ging die Umwandlung in eine GmbH vonstatten. Am 12. September 2007 erfolgte die Bekanntgabe der Eingliederung des Unternehmens in den Evonik Industries Konzern.

Degussa Reagenzgläser

Ohne die Zustimmung der verbliebenen RAG-Aktionäre RWE AG, Thyssen-Krupp AG, E.ON AG und Sociéte Nouvelle Sidéchar S.A. wäre dies jedoch niemals möglich gewesen. Die vier Konzerne gaben ihre jeweiligen Anteile zum symbolischen Preis von einem Euro an eine eigens am 26. Juni 2007 gegründete Stiftung ab. Infolgedessen ging die Evonik Industries aus dem Eigentum der RAG in den Besitz der RAG-Stiftung über. Diese soll die ihr aus der Evonik Industries AG zufließenden Dividenden, die Erlöse aus der Veräußerung von Evonik-Anteilen sowie die daraus erwirtschafteten Kapitalerträge dazu verwenden, das Auslaufen des Steinkohlebergbaus in den westdeutschen Bundesländern bis 2018 mitzufinanzieren und auch die anschließend anfallenden Belastungen aus sogenannten Ewigkeitsaufgaben mitzutragen.

Zwei Jahre später vollzog Evonik Industries einen Kurswechsel und ist heute ein reiner Spezialchemiekonzern. Die Immobilien- und Energieaktivitäten galten nicht mehr als Kerngeschäft, sondern wurden nur noch als Beteiligungen angesehen mit der Absicht, sich über kurz oder lang davon zu trennen. In diesem Kontext kaufte das Stadtwerkekonsortium Ruhr im Dezember 2010 50,1 Prozent der Evonik Steag GmbH. Diese schied fortan aus dem Evonik-Konsolidierungskreis aus. Im gleichen Zeitraum wurde die Immobiliensparte verselbstständigt. Heute ist Evonik als weltweit bedeutendes Spezialchemie-Unternehmen in über 100 Ländern rund um den Erdball aktiv. Produktionsanlagen werden in 24 Ländern unterhalten. Allein in Deutschland gibt es 15 Standorte, darunter Wesseling, wo Methionin, Kieselsäuren, Acrylate und Mattierungsmittel hergestellt werden.

Die wichtigsten Persönlichkeiten aus der Geschichte der Chemischen Fabrik Wesseling und der Degussa

Heinrich und Franz Zimmermann – Pioniere der chemischen Industrie in Wesseling

Die Brüder Heinrich und Franz Zimmermann wurden 1846 beziehungsweise 1852 in Köln als Söhne des Branntweinbrenners und Wirts Heinrich Zimmermann geboren. Die besondere Vorliebe von Heinrich Zimmermann für die Chemie kristallisierte sich bereits heraus, als er ab 1860 die Königliche Provinzial-Gewerbeschule in Köln absolvierte. Nach Abschluss dieser Schule besuchte er bis zum 25. Juli 1866 die Königliche Gewerbe-Akademie in Berlin, die ihm auf dem Abgangszeugnis gute Leistungen im „Arbeiten im anorganischen Laboratorium“ sowie sehr gute Leistungen „im Entwerfen von chemischen Anlagen“ bescheinigte. So war es für ihn nicht schwer, direkt nach Ende seines sechs-semestrigen Studiums eine Anstellung zu finden.

Er arbeitete zunächst als Komptorist und Chemiker in einer Zuckerfabrik in Köln-Ossendorf, bevor er im Jahr 1868 nach Aachen ging. Nach Anstellungen als Ingenieur und Hüttendirektor leitete er ab 1873 das Alaunwerk Freienwalde (Oder), das zur Chemischen Fabrik Kunheim & Co. gehörte. Bereits zwei Jahre später bestellte deren Inhaber Hugo Kunheim Heinrich Zimmermann als Leiter des Berliner Werkes.

In dieser Funktion entdeckte der begabte Chemiker, dass sich aus der Gasreinigungsmasse, einem Abfallprodukt bei der Leuchtgasgewinnung, Ferrocyankalium gewinnen lies. Dieses wurde unter anderem benötigt, um „Berliner Blau“ (auch „Pariser Blau“ oder „Preußisch Blau“), einen wichtigen Farbstoff herzustellen. Die Gasreinigungsmasse entstand jedoch hauptsächlich in an der Ruhr gelegenen Kokereien, sodass die Transportkosten aufgrund der großen Entfernung zur Reichshauptstadt sehr hoch waren. Deshalb entschloss sich Zimmermann, in Westdeutschland eine neue Fabrik aufzubauen. Obwohl er seinen bisherigen Chef und Förderer Kunheim nicht einbezog, blieb dieser ihm dennoch in Freundschaft verbunden.

Degussa Firmengelände

Bei der Auswahl eines geeigneten Grundstückes kam Heinrich Zimmermann der Zufall zu Hilfe. Seine Schwägerin Elise von Thenen entdeckte ein Zeitungsinserat, in dem ein passendes Gelände in Wesseling angeboten wurde. Zudem hatte die Schwägerin in ihre Ehe mit Heinrichs Bruder Franz eine beachtliche Mitgift eingebracht, die jetzt zum Aufbau der Fabrik verwendet wurde. Franz Zimmermann stieg als gelernter Kaufmann in das Unternehmen ein.

Die Brüder waren jedoch nicht nur Pioniere der chemischen Industrie, sie brachten sich auch auf sozialpolitischem Gebiet ein. Sie fühlten sich als katholische Unternehmer für ihre Angestellten verantwortlich und errichteten bereits in den 1880ern eine Arbeiterküche sowie Wasch- und Badeanlagen. Ab 1899 ließen sie außerdem Backsteinhäuser an der Brühler Straße in Wesseling bauen, in denen sich Wohnungen für die Belegschaft befanden. Oft kümmerten sie sich in Notfällen persönlich um ihre Arbeiter. Sie richteten ein Arbeiterwohlfahrtskonto ein, das die Familie Zimmermann zum 25-jährigen Firmenjubiläum im Jahr 1905 mit zusätzlichen 25.000 Reichsmark ausstattete. Die Unternehmen Degussa beziehungsweise Evonik, in deren Eigentum die Firma der Brüder Zimmermann respektive deren Nachfolgeunternehmen, die Chemische Fabrik Wesseling, überging, fühlen sich noch heute dieser Tradition verpflichtet.

Friedrich Ernst Roessler (1813 - 1883) – der Wegbereiter für Degussa

Friedrich Ernst Roessler, geboren am 25. November 1813 in Darmstadt, wurde von seinem Vater, dem damaligen Darmstädter Münzrat, in dessen mechanischer Werkstatt ausgebildet und ging anschließend nach München, wo er an der dortigen Münze ein Praktikum absolvierte. In der Folgezeit besuchte er die österreichische Münzprägestätte in Wien, die württembergische in Stuttgart und die badische Münzanstalt in Karlsruhe. Ende 1834 kehrte er nach Darmstadt zurück und arbeitete zunächst in der Münze seines Vaters.

Vier Jahre später wurde er vom Senat der Freien Stadt Frankfurt als provisorischer Münzbeamter eingestellt mit der Aufgabe, den Bau und die Einrichtung der neuen Frankfurter Münze zu überwachen, deren Einweihung im September 1840 erfolgte. 1841 wurde Roessler aufgrund seiner guten Leistungen zum ersten Münzbeamten und Münzwardein berufen. Damit war er fortan verantwortlich für die Prüfung des Feingehalts und des Gewichts der geprägten Münzen. Dieser Tätigkeit ging er bis 1873 nach.

Ab 1843 betrieb er nebenbei eine gemietete Edelmetallscheiderei als Privatunternehmer, die er 1860 um ein chemisch-technisches Labor ergänzte. Dieses übertrug er im selben Jahr an seinen Sohn Hector unter der Bezeichnung „Hector Roessler Chemisch-technisches Laboratorium. Im Jahr 1866 erwarb er außerdem die Scheiderei für seine beiden Söhne Hector und Heinrich und legte damit den Grundstein für das Chemie- und Edelmetallunternehmen, aus dem wenige Jahre später die Degussa AG hervorging.

Friedrich Ernst Roessler verstarb 1883 in Frankfurt am Main und wurde auf dem dortigen Hauptfriedhof bestattet. Aus seiner Ehe mit der Frankfurter Kaufmannstochter Marie Caroline gingen drei Töchter sowie acht Söhne hervor, von denen fünf in der späteren Degussa tätig waren.

Heinrich Roessler (1845 - 1924) – der Konzerngründer

Heinrich Roessler, der zweite Sohn des Münzwardeins Friedrich Ernst Roesslers, besuchte nach seinem Abitur im Jahr 1861 die Abteilung Chemie der Höheren Gewerbeschule Darmstadt. Von 1862 bis 1864 studierte er an der Bergakademie Freiburg Chemie, Metallurgie und Mineralogie. Nachdem er ein halbjähriges Praktikum in der Scheideanstalt seines Vaters absolviert hatte, setzte er sein Studium in Göttingen fort, wo er 1866 promovierte.

Degussa Chemie

Im Jahr 1867 trat er in die Scheideanstalt in Frankfurt ein. Als diese nach der Preußischen Annexion Frankfurts von der Münze getrennt werden musste, organisierte er die Verlegung von der Münz- in die Schneidwallgasse. Ab Januar 1868 führte er das Unternehmen gemeinsam mit seinem älteren Bruder Hector unter dem Namen „Friedrich Roessler Söhne“ und baute es zu einem leistungsfähigen, modernen Betrieb aus.

Als die Edelmetallscheiderei nach der Reichsgründung 1871 das Angebot erhielt, einen Teil der durch die Währungsreform außer Kurs gesetzten Münzen zu scheiden, reichte das Eigenkapital nicht für die vom Staat geforderte hohe Kaution. Deshalb, wurde der Familienbetrieb im Jahr 1873 in eine Aktiengesellschaft namens „Deutsche Gold- und Silber-Scheideanstalt vormals Roessler“ eingebracht, als deren erster technischer Direktoren Heinrich und Hector Roessler fungierten. Die Menge des hergestellten Scheidemetalls stieg rasch von 29 Tonnen im Jahr 1872 auf 550 Tonnen im Jahr 1876. Um dies bewältigen zu können, wurde 1877 eine zweite Scheiderei in der Gutleutstraße errichtet.

Unter anderem entwickelte Heinrich Roessler ein Luftfilterungsverfahren zur Beseitigung von schwefliger Säure aus Fabrikgasen und Hüttenrauch, das 1882 patentiert wurde. Internationale Bekanntheit erlangte er mit dem 1890 patentierten Roessler-Edelmann-Verfahren, mit dem Werkblei entsilbert werden konnte. Das Unternehmen profitierte vor allem von seinem Verfahren zur Produktion von feuerfestem Glanzgold sowie von der durch ihn initiierten Implementierung des elektrolytischen Verfahrens in der Scheiderei.

Bereits 1884 führte Roessler den Achtstundenarbeitstag ein. Ein Jahr später folgten Pensions- und Unterstützungskassen. Ab 1898 ließ er frei gewählte Arbeiterausschüsse zu. Außerdem förderte er Fortbildungsmöglichkeiten. 1901 verabschiedete er sich aus der Direktion der späteren Degussa, saß aber von 1908 bis 1924 in deren Aufsichtsrat.

Ernst Busemann (1876 - 1939) – erster Vorstandsvorsitzender der Degussa von 1930 bis 1939

Nach Erwerb des Abiturs am humanistischen Gymnasium in Köln absolvierte Busemann ab 1895 eine dreijährige Lehre im Bankhaus Seligmann in Koblenz. Nebenbei beschäftigte er sich mit den Rechtswissenschaften und promovierte ein halbes Jahr nach Ende seiner Lehrzeit an der Universität Göttingen zum Doktor der Rechte.

1903 nahm Busemann eine Anstellung als Privatsekretär des Mitbegründers der Frankfurter Metallgesellschaft AG, Wilhelm Merton, an. Ab 1904 leitete er für über zehn Jahre die im belgischen Hoboken ansässige Usine de Désargentation, die der Metallgesellschaft sowie der Deutschen Gold- und Silber-Scheideanstalt zu gleichen Teilen gehörte. Nach deren Enteignung während des Ersten Weltkriegs ging Busemann nach Berlin, wo er die Führung der Kriegsmetall AG übernahm.

1919, im Alter von 43 Jahren, trat er in den Vorstand der Degussa ein. Im Gegensatz zur älteren Generation richtete er seine Aufmerksamkeit nicht nur auf die Entwicklung von Produktionstechnik und Absatz, sondern auch auf die Ausweitung der bestehenden und den Erwerb neuer Fabrikationen. Den Wiederaufbau der Geschäfte finanzierte er über Darlehen und über Kapitalerhöhungen während der Inflationsjahre bis 1923. Als der damalige Direktor Fritz Roessler, der Sohn des Unternehmensgründers Heinrich Roessler, in die weniger einflussreiche Position des Aufsichtsratsvorsitzenden wechselte, war Busemann die eigentlich dominierende Person im Vorstand. Folgerichtig übernahm er daher 1930 das neu geschaffene Amt de Vorstandsvorsitzenden.

Degussa Chemie

Als das Hitler-Regime ab 1933 eine „gelenkte Marktwirtschaft“ mit den Zielen „Arisierung“, Aufrüstung und Autarkie aufbaute, ging Busemann davon aus, dass das Unternehmen künftig nicht erfolgreich arbeiten könne, wenn es sich diesen Vorgaben entzog. Er war zwar niemals Mitglied der NSDAP, kooperierte aber mit den Nationalsozialisten. 1937 formulierte er die Devise, dass es keinen Sinn machen würde, gegen den Strom zu schwimmen. Durch diese taktische Voraussicht und mit etwas Glück gelang es, die Degussa vor einer indirekten Kontrolle durch NSDAP-Mitglieder zu bewahren.

Ernst Busemann starb Ende Oktober 1939 an einer unheilbaren Krankheit. Sein Nachfolger wurde Hermann Schlosser.

Hermann Schlosser (1889 - 1979) – Vorstandsvorsitzender der Degussa von 1939 bis 1959

Schlosser absolvierte nach seinem Abitur am Gießener humanistischen Gymnasium ab 1908 eine Kaufmannslehre bei der Hamburger Firma Meyer & Soetbeer. 1910 bekam er einen Vierjahresvertrag als Angestellter der Firmenniederlassungen in Britisch-Indien, die er ab 1912 leitete. Als im Sommer 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, meldete sich der auf Heimaturlaub befindliche Schlosser freiwillig an die Front. Er wurde jedoch schon bald verwundet und entlassen.

Ab Februar 1915 war er als Handlungsgehilfe bei der Degussa tätig, wurde jedoch 1916 erneut zum Kriegsdienst eingezogen. Erst nach Kriegsende kehrte er in das Unternehmen zurück, das ihn im Frühjahr 1919 in die Niederlande entsandte, um dort das zusammengebrochene Auslandsgeschäft, vor allem mit den USA, wieder aufzubauen. 1922 wurde er zum Prokuristen der Degussa und zum Leiter der Chemikalienabteilung ernannt. Seine Wahl zum stellvertretenden Vorstandsmitglied erfolgte im Jahr 1926. Zum ordentlichen Vorstandsmitglied wurde er 1928 berufen. Allmählich übernahm Schlosser die kaufmännische Verantwortung für die meisten Geschäftsfelder der Degussa. Ausgenommen waren lediglich die Metallabteilung und die Sparte der Holzverkohlung.

Degussa Chemie

Nach dem Tod des ersten Vorstandsvorsitzenden Ernst Busemann Ende Oktober 1939 wurde Schlosser in diesen Posten berufen. Er widmete sich zunächst der von diesem begonnenen Neuorganisation des Konzerns, wozu auch die Ausrichtung der Geschäftsfelder auf die nationalsozialistische Wirtschaftspolitik gehörte. Bereits 1933 hatte er einen Aufnahmeantrag bei der NSDAP gestellt, welchen diese allerdings wegen seiner Zugehörigkeit zum Freimaurerorden ablehnte. Nach seiner Ernennung als Vorstandsvorsitzender wurde er jedoch auf Betreiben der Gauleitung „durch Gnadenerlass des Führers“ in die Partei aufgenommen. Er unterhielt gute Beziehungen zum Naziregime, das ihn 1943 zum Wehrwirtschaftsführer ernannte. Ab Januar 1943 leitete er die Wirtschaftsgruppe Chemie, die er neu organisierte. Andererseits unterstützte er mit persönlichem Risiko Juden in der Führungsebene der Degussa, darunter den Leiter der Frankfurter Patentabteilung, Ernst Eichwald.

Aufgrund seiner Tätigkeit für das Regime und seiner Parteimitgliedschaft verfügte die amerikanische Militärregierung im September 1945 die Entlassung Schlossers. 1947 stufte ihn das Spruchkammerverfahren als Minderbelasteten mit zweijähriger Bewährungszeit ein. Später wurde dieses Urteil jedoch zu seinen Gunsten revidiert und er als Mitläufer eingestuft. Im Rahmen der Ermittlungen für den Zyklon B-Prozess gegen den Degesch-Chef Gerhart Peters wurde er zwar 1948 verhaftet, durfte das Gefängnis aber nach wenigen Wochen wieder verlassen, da im keine Mitwisserschaft nachgewiesen werden konnte.

1949 wurde Schlosser erneut in den Vorstand der Degussa berufen. 1950 übernahm er dessen Vorsitz, den er bis zu seinem Ausscheiden im Jahr 1959 innehatte. Anschließend wechselte er in den Aufsichtsrat, als dessen Vorsitzender er bis 1965 amtierte. Danach wurde er zum Ehrenvorsitzenden ernannt und blieb der Degussa AG somit bis zu seinem Tod im Jahr 1979 verbunden.

Quellen:




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zuletzt aktualisiert: 01.02.2018

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